Euros und Cents aus der Schublade
Veröffentlicht: 30. Dezember 2007 Einsortiert unter: Typografie | Tags: Einfachheit, Funktionalität, Typografie Schreibe einen Kommentar »Erik Spiekermann erinnert auf dem SpiekerBlog an seine Ideen zur Gestaltung der Euro- und Cent-Münzen, die er auf Bitte des Magazins Spiegel bereits 1999 (also vor der Einführung des Bargeldes) vorgestellt hatte.
Dem Typografen fiel damals vor allem auf, was wir nach 6 Jahren Übung bestätigen können: Die neuen Münzen sind wenig systematisch gestaltet. Sie lassen sich nur bei genauem Hinsehen erkennen, weil signifikante Unterschiede in Material, Größe und Oberfläche fehlen. Dagegen bietet Spiekermanns Vorschlag ein klares Gestaltungskonzept, das ebenso einfach wie funktional ist.
Anlass dafür, dass der Gestalter uns einen Blick in seine Schublade gewährt, ist die Einführung des Euro in zwei weiteren Ländern (Malta, Zypern) zum 1. Januar. Aber auch diese neuen Euros folgen natürlich dem alten »System«.
Ist die »Tagesschau« verständlich?
Veröffentlicht: 14. Dezember 2007 Einsortiert unter: Verständlichkeit | Tags: Verständlichkeit, Zielgruppe 2 Kommentare »Für wen soll/kann die Tagesschau verständlich sein? Für jede(n)? Man kann Zuschauer auch mit übertriebener Schlichtheit und überflüssigen Erklärungen vergraulen. Und politisch wenig Interessierte, die sie nur für die Lottozahlen und den Wetterbericht einschalten, erreicht man auch dann nicht.
Der Spiegel titelt plakativ »Zu viele Fremdwörter. Keiner versteht die ›Tagesschau‹«. Bei digitalfernsehen.de heißt es zutreffender: »Umfrage: Zuschauer verstehen manche Begriffe in ›Tagesschau‹ nicht«.
Beide beziehen sich auf die Ergebnisse des Bielefelder Marktforschungsinstitutes EMNID. Das Institut hat im Auftrage der Programmzeitschrift »TV Digital« 1002 Personen sechs Begriffe aus Sendungen der ARD-Nachrichtensendung vom 1. bis 7. Oktober vorgelegt. Auf digitalfernsehen.de wird das Ergebnis zusammengefasst. Danach
wissen 100 Prozent der Befragten nicht, was Begriffe wie „Schutzschrift“ oder „Vorteilsabschöpfung“ bedeuten. Auch „Koalitionsfreiheit“ (99 Prozent), „Pflegestützpunkte“ (98 Prozent) oder „Basta-Politik“ (90 Prozent) seien weitgehend unbekannt […]. Beim Begriff „Tarifautonomie“ mussten 89 Prozent passen.
Leider konnte ich nicht ermitteln, wie die 1002 Befragten ausgewählt wurden. Wie viele davon sehen regelmäßig die »Tagesschau«? Und sicher ist es auch ein Unterschied, ob die Begriffe im Textzusammenhang auftreten oder wie in der Befragung einzeln erklärt werden sollen. Für eine repräsentative Auswahl wäre das Ergebnis aber in jedem Falle besorgniserregend.
Sollte man das Verständnis von Koalitionsfreiheit und Tarifautonomie nicht als Teil der politischen Allgemeinbildung voraussetzen können? Sollte Basta-Politik nicht jedem politisch Interessierten geläufig sein, der in den letzten Jahren in der Bundesrepublik gelebt hat? Der Pflegestützpunkt ist vielleicht noch zu neu, aber dass ihn 98 Prozent der Befragten nicht kannten …
Nur bei den verbliebenen 2 Kandidaten würde ich den Schwarzen Peter an die Redakteure geben: Schutzschrift halte ich für einen erklärungsbedürftigen Fachbegriff. Die Vorteilsabschöpfung dagegen ist einer jener Unwort-Kandidaten, die eine um Sachlichkeit bemühte Sendung ersetzen sollte.
Fazit: Verständliche Textgestaltung kann nie Verständlichkeit für alle heißen, im besten Falle wird eine große Zielgruppe erreicht.
Der Hinweis auf die Befragung stammt vom VFLL-Blog.
Verständlichkeit als Bürgerrecht
Veröffentlicht: 1. Dezember 2007 Einsortiert unter: Verständlichkeit | Tags: Rechtssprache, Verständlichkeit, Verwaltungssprache 9 Kommentare »Wer gelesen werden will, bemüht sich um Verständlichkeit. Brauchbares Handwerkszeug dafür hat die Verständlichkeitsforschung in den letzten Jahrzehnten entwickelt. Die deutsche Kanzlei- und Verwaltungssprache aber erweist sich bisher als resistent gegenüber solchen Einflüssen. Man denke nur an Wortschöpfungen wie das legendäre
Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz (RflEttÜAÜG)
oder das nicht weniger klare
Kindertagesbetreuungsausbaugesetz (TAG),
das keiner unserer Volksvertreter unfallfrei auszusprechen vermochte.
Unter dem Titel »Verständlichkeit als Bürgerrecht? Die Rechts- und Verwaltungssprache in der öffentlichen Diskussion« fand am 1./2. November 2007 ein öffentliches Symposion statt. Veranstalter war die Gesellschaft für deutsche Sprache in Zusammenarbeit mit dem Germanistischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Aus den Tagungsberichten hier und hier ist unter anderem zu erfahren, dass das Bundesministerium für Justiz und die Gesellschaft für deutsche Sprache seit 2007 in einem Projekt »Verständliche Gesetze« die Zusammenarbeit im Gesetzgebungsverfahren erproben. In der Schweiz hat man mit einer solchen begleitenden Sprachberatung bereits positive Erfahrungen gemacht.
Die Fachvorträge des Symposions sollen im Herbst 2008 zur Frankfurter Buchmesse in der Reihe »Thema Deutsch« (Band 9) im Dudenverlag erscheinen.


