Wahrhaftige Abcontrafactur

Die Titelgrafik des Federwerks verwendet derzeit verwendete im Dezember einen kleinen Ausschnitt aus der berühmten Vicke-Schorler-Rolle. Das über 18 Meter lange Original aus dem 16. Jahrhundert trägt den sorgsam formulierten und in Versalien geschriebenen Titel:

»WAHRHAFTIGE ABCONTRAFACTUR DER HOCHLOBLICHEN UND WEITBERUMTEN ALTEN SEE UND HENSESTADT ROSTOCK – HEUPTSTADT IM LANDE ZU MECKELNBURGK«

Interessant an der Schreibung bzw. Typografie: Für das heutige [U] ist noch [V] verwendet. Die Wortgrenzen sind durch Interpuncta (»Zwischenpunkte«; Singular Interpunctum) gekennzeichnet. Statt der Leerzeichen, die seit karolingischer Zeit (seit ca. 800) üblich waren, stehen also mittige Punkte zwischen den Wörtern.

Der Rostocker Krämer Vicke Schorler hat die kolorierte Federzeichnung angefertigt und 1586 vollendet.


Lesen! im Internet

»Kucken Sie viel Internet?« – fragte Elke Heidenreich ihren Gast Claus Peymann in der ZDF-Sendung »Lesen« vom 1. Mai 2008. Der gestand immerhin ein, dass er gar nicht wisse, wie das geht.

Sie selbst wird nun stattdessen im Internet (vor)lesen. Nach ihrem geräuschvollen Abgang beim ZDF (vgl. Literaturcafe.de; wegen dieser Geschichte) wird sie ihre Sendung ins Internet verlegen, meldet wuv.

Künftig soll jeden Monat (statt bisher 6-mal im Jahr) eine neue Ausgabe auf litCOLONY.de, der Website des Kölner Literaturfestivals litcologne, erscheinen.

Ob ihr bisheriges Stammpublikum nun auch »Internet kucken« wird, ist allerdings eine offene Frage. Die Möglichkeit bestand ja schon beim ZDF – zusätzlich zur TV-Ausstrahlung.

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Zum Weiterlesen:


Schon wieder Weihnachtsmarkt

Zwischen zwei Texten bin ich heute Nachmittag losgestapft, um schnell das Buch zum Lesefilm abzuholen. Bis zum Kröpeliner Tor Center [sic!] ging alles gut, dann begann der Slalom um die Buden und Büdchen für Mutzen, Mandeln und Rostocker Rauchwürste: Ganz unverhofft steht da schon wieder der Rostocker Weihnachtsmarkt.

[…] zieht er alljährlich auch zehntausende Touristen aus Schweden und Dänemark an, die mittels spezieller Tages- und Wochenendausflüge der Reiseveranstalter mit den Fähren über die Ostsee nach Rostock kommen. […] (Quelle)

Dazu erscheint auf Blog 8 alle Jahre wieder dieser immergrüne Beitrag zum allergrößten Weihnachtsmarkt in Norddeutschland. Garantiert ohne Konservierungsstoffe und in jedem Jahr mit ein paar neuen Kommentaren behängt.


Eigennamen und Rechtschreibung (Teil 3)

Gelten Rechtschreibregeln auch für Eigennamen? Im Prinzip ja, wenn nicht im Einzelfall etwas anderes festgeschrieben ist (vgl. Teil 1). Häufig ist das inzwischen auch in der Getrennt- und Zusammenschreibung und besonders beim Bindestrichgebrauch der Fall.

Schreibungen mit Bindestrich

[…] Die Schreibung mit Bindestrich bei Eigennamen entspricht nicht immer den folgenden Regeln, so dass nur allgemeine Hinweise gegeben werden können. Zusammensetzungen aus Eigennamen und Substantiv zur Benennung von Schulen, Universitäten, Betrieben, Firmen und ähnlichen Institutionen werden so geschrieben, wie sie amtlich festgelegt sind. [In: Amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung, C Schreibung mit Bindestrich, Vorbemerkungen, 2]

Nach den »Faustregeln« (§§ 46–52 des Regelwerkes) schreibt man: Eva-Maria, Herr Müller-Lüdenscheid, Graal-Müritz, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Thomas-Müntzer-Platz, Ingeborg-Bachmann-Preis.

Daneben gelten die amtlichen Einträge (vgl. Teil 1) mit abweichenden Bindestrichschreibungen, zum Beispiel: Robert Koch-Institut, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Hierher gehören auch die Schreibungen ganz ohne Bindestriche, die (leider?) immer beliebter werden: Störtebeker Festspiele Ralswiek, Kempinski Grand Hotel Heiligendamm, Meyer Werft GmbH. Fast alle Verlage schreiben sich so: Suhrkamp Verlag, Wallstein Verlag (daneben: Aufbau-Verlag, aber: Aufbau Taschenbuch Verlag). Manche dieser Getrenntschreibungen sind auch schon historisch: Kirch Rosin, Raben Steinfeld.

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Zum Weiterlesen:

Eigennamen und Rechtschreibung Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4


PS: Die Launen des Schreibgebrauchs

Für manche Schreibungen gibt es Regeln. Die meisten aber sind über lange Zeiträume im Schreibgebrauch entstanden, sie sind so Usus. Erst viel später sind sie in Wörterbüchern und Regeln erfasst worden.

So ist es auch für Abkürzungen, die lange gar nicht Gegenstand der Rechtschreibregelung waren. Mit Punkt, ohne Punkt, mit Spatium oder ohne … Das Ergebnis ist eine bunte Vielfalt, der am besten mit einem verlässlichen und aktuellen Wörterbuch (oder Lektor) beizukommen ist.

Mitunter aber kann sich der Schreibgebrauch für keine Variante entscheiden. Das scheint beim Postskriptum im Brief so zu sein (via). PS kommt geschrieben und gesprochen fast ausschließlich als Abkürzung vor, obwohl die meisten (?) noch wissen, wofür sie steht: lat. post scriptum, die »Nachschrift«.

PS: Die Abkürzung für Postskript[um] enthält keine Abkürzungspunkte und kein Leerzeichen. Nach PS kann mit oder ohne Doppelpunkt angeschlossen werden.
© Duden – Richtiges und gutes Deutsch, 6. Aufl. Mannheim 2007 [CD-ROM]

Ursprünglich nutzte man das Postskriptum, um im handgeschriebenen Brief (den gab’s tatsächlich mal) etwas nachzutragen, was man vergessen hatte. Erkennntnisse der Werbestrategen über die »natürliche Lesekurve« haben dem PS im letzten Jahrzehnt zu einer neuen Funktion verholfen.

Neugierig geworden durch diesen Beitrag, habe ich mir die Versionsgeschichte der Abkürzung im Duden angesehen:

7. Aufl. (Lpzg.; Wien 1902): Postskript(um), [keine Abk. verz.]
8. Aufl. (Lpzg.; Wien 1909): Postskript(um), [keine Abk. verz.]
9. Aufl. (Leipzig 1924): Postskript(um), Abk.: P. S.
11. Aufl. (Lpzg. 1937): Postskript(um), Abk.: PS.

13. Aufl. (Lpzg. 1954): Postskript(um), Abk.: PS
18. Aufl. (Lpzg. 1987): Postskript(um), Abk.: PS od. P. S. (lat.)
20. Aufl. (Mannheim; Lpzg. u.a. 1991): Postskript(um), Abk.: PS
24. Aufl. (Mannheim; Lpzg. u.a. 2006): Postskript(um), Abk.: PS

Da wurde doch wirklich mal die ganze Vielfalt ausgeschöpft. Das heutige »PS« ohne Punkt gibt es in der amtlichen Rechtschreibung spätestens seit 1954, also noch vor der Trennung in Leipziger und Mannheimer (14. Aufl. 1954) Duden.

Als alleinige amtliche Variante scheint PS seit dem Einheitsduden von 1991 zu gelten. Die Reform hat sich mit Abkürzungen nicht befasst. Doch bei dieser Unentschiedenheit bewahrt der Schreibgebrauch einfach alle drei Möglichkeiten. »Für wenns mal wieder anders kommt.«

Falls jemand einen alten Mannheimer Duden in Reichweite hat: Ich würde die Lücken gern füllen.


Der Erste Prokrastinator

Die Schöpfungsgeschichte – von Kathrin Passig erzählt, sagt Sascha Lobo.

»Im Anfang schuf Gott erst mal ––– gar nichts …«

Der Trailer zum Buch bei YouTube. (Produktion: Marko Thorhauer)

(via Spreeblick)


Eigennamen und Rechtschreibung (Teil 2)

Rechtscheibregeln gelten heute für Eigennamen nur bedingt (vgl. Teil 1). Darum bewahren sie alte Schreibungen (Theodor, Thalbach, Clausthal, Bayern) mit [th], [c] und [y], die 1901 in deutschen Wörtern abgeschafft wurden. Sie konservieren auch noch ältere Schreibungen (Lohff, Rhein, Wieck, Woldegk, Loids).

Das ist eine Konvention, die historisch gewachsen ist. Als in der Goethezeit die heutigen Schrifttypen [ä], [ö], [ü] für die Umlaute die bisherigen [ae], [oe], [ue] bzw. die Varianten mit dem darübergesetzten [e] langsam ersetzten, schrieb man zum Teil auch Göthe. Der Vater der Germanistik Jacob Grimm, der das [c] in deutschen Wörtern für überflüssig hielt, verteidigte es in seinem Vornamen.

Buchstabe für Buchstabe

Da die Eigennamen heute ihren eigenen Festlegungen folgen, sind sie von Regeländerungen und Reformen in der Rechtschreibung nicht betroffen.

Das gilt auch für die jüngste Reform. Die Litfaßsäule behält ihr Eszett, weil Litfaß ein Personenname ist. Der Darß und die Gemeinde Schorssow schreiben sich historisch so eigenwillig.

Mancherorts hat man bei schwankendem Schreibgebrauch die regelgemäße Schreibung vorgezogen: Im Jahr 2003 hat das Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum Rostock einen Umzug genutzt, um seinem Namen ein weiteres [f] hinzuzufügen und die Diskussion um Rechtschreibung und Namensrecht zu beenden. Die Stadt Saßnitz hat sich 1993 (d.h. vor der Reform) für die Variante Sassnitz entschieden, die der neuen S-Schreibung (zufällig?) entspricht.

Aber auch das Gegenteil ist möglich: Das Ostseebad Thießow hat 1995 seine Schreibung sogar gegen alte und neue Regeln zu Thiessow geändert. Man gönnt sich ja sonst nichts.

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Zum Weiterlesen:

Eigennamen und Rechtschreibung Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4


Eigennamen und Rechtschreibung (Teil 1)

Die Möwen können wir ruhig alle Emma nennen. Aber sonst ist man mit Eigennamen besser eigen. Manche Person legt Wert auf eine bestimmte Aussprache: Angela M. wird auf der ersten Silbe betont; Charlotte R. übt jeweils mit Moderator und Publikum. Und auch bei der Schreibung kommt’s drauf an: Meyer mit Ypsilon? Schmidt mit DeTe? Die falsche Schreibung kann im Zweifel ein K.-o.-Kriterium für einen Text sein.

Bei Eigennamen haben die Rechtschreibregeln eher den Charakter von Faustregeln: Sie gelten häufig, aber mit vielen Ausnahmen. Das betrifft Namen von Institutionen, Vereinigungen, Firmen und Marken ebenso wie Titel von Zeitungen und Zeitschriften oder Fernsehsendungen, geografische Namen oder Namen von Straßen oder Plätzen.

In der »Amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung« (» PDF) von 2006 finden sich daher wiederholt ergänzende Hinweise wie dieser:

Für Eigennamen (Vornamen, Familiennamen, geografische Eigennamen und dergleichen) gelten im Allgemeinen amtliche Schreibungen. Diese entsprechen nicht immer den folgenden Regeln. [In: A Laut-Buchstaben-Zuordnungen, Vorbemerkungen, 3.2]

Für die hier gemeinten »amtlichen Schreibungen« ist nicht die »amtliche Rechtschreibung« (und auch nicht Duden oder Wahrig) zuständig, sondern:

  • Amtliche Einträge für Personennamen enthalten die örtlichen Personenstandsbücher (ab 2009 Personenregister) beim Standesamt, die sogar amtlichen Hör- und Tippfehlern Gültigkeit verleihen.
  • Amtlich sind Firmen- und Markennamen, wenn sie ins Handelsregister bzw. ins Markenregister beim Deutschen Patent- und Markenamt in München eingetragen sind.
  • Für die Standardisierung geografischer Namen ist im deutschsprachigen Raum der Ständige Ausschuss für geographische Namen (StAGN) zuständig.

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Zum Weiterlesen:

Eigennamen und Rechtschreibung Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4


Spicker für Schriftsatz und Sonderzeichen

Für alle, die mit den richtigen Gänsefüßchen auf dem Kriegsfuß stehen und denen Divis und Halbgeviertstrich Kopfzerbrechen machen, gibt es hier eine nette Arbeitshilfe:

Die knallgelben Mousepads von FontShop fassen wichtige Regeln für den Schriftsatz und häufige Sonderzeichen (z.B. Zollzeichen, Copyright-Zeichen, Trademark-Zeichen, genealogische Zeichen) in einem Mustertext zusammen. Es gibt sie als Windows- und als Mac-Version mit den dazugehörigen Tastaturkürzeln. Schriftenkenner können sie heute (16. November) im verkehrten Adventskalender »Kalendsadventer« des Fontblogs gewinnen.

Alle anderen finden die PDFs für Spickzettel oder Postkarten (ich wüsste einige Adressaten) » hier im Fontblog zum Herunterladen.


Lehrstück in Öffentlichkeitsarbeit

Mit einstweiliger Verfügung des Landgerichts Lübeck vom 13. November 2008, erwirkt durch Lutz H[…], MdB (Die Linke), wird es dem Wikimedia Deutschland e.V. untersagt, »die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten«, solange »unter der Internet-Adresse de.wikipedia.org« bestimmte Äußerungen über Lutz Heilmann vorgehalten werden. […]
[Startseite von wikipedia.de am 15. November 2008]

Unglaublich. Weil eine Person Einwände gegen einen einzigen Artikel der Bürgerenzyklopädie hat, ist sie unter wikipedia.de derzeit nicht erreichbar. Unter wikipedia.org bleibt das Lexikon aber zugänglich. Warum man nicht lediglich den Artikel bis zu einer Klärung gesperrt hat, weiß ich nicht, für den Kläger jedenfalls ist der schlimmste anzunehmende PR-Unfall eingetreten.

Umgekehrt heißt das: Wer in Zukunft will, dass ein Eintrag unbedingt von möglichst vielen wahrgenommen wird, der erwirke eine einstweillige Verfügung (zu den Details » law blog) dagegen. Effektiver hätte man Nutzer kaum auf den Artikel über den MdB und die »bestimmten Äußerungen« stoßen können.
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Nachtrag 16. Nov., 16:00 Uhr: Nachdem beanstandete Teile des Artikels (es ging dabei ausdrücklich nicht um Aussagen über seine Tätigkeit für das MfS) überarbeitet wurden, hat Heilmann erklärt, dass er nicht weiter gegen die Wikipedia, wohl aber gegen Einzelpersonen vorgehen werde. (via)


Die Orthokurvatur von Gurken

Die Europäische Union hat beschlossen, die Normungen für 26 Obst- und Gemüsesorten abzuschaffen, darunter den berüchtigten Krümmungsgrad der Gurke.

Abgeschafft werden sollen […] auch die Standards beispielsweise für Auberginen, Bohnen, Spargel, Karotten und Pflaumen. Die Normen waren eingeführt worden, damit in standardisierte Gemüsekisten jeweils die gleiche Menge hineinpasst. [Quelle]

Eine Reihe von Ländern war gegen die Abschaffung der Standards und auch der Deutsche Bauernverband hat sie scharf kritisiert. Vermutlich fanden sie das überhaupt nicht komisch und haben lange und ernsthaft darüber debattiert.

Merke: Die Grundsatzdiskussionen um die einzig richtige deutsche Orthografie oder das einzig richtige versale Eszett (an denen ich mich im Unterschied zu Gurkendiskussionen gern beteilige) lassen sich also durchaus noch toppen.


Domain Mapping fürs Federwerk

Das Blog Federwerk logiert seit mehr als einem Jahr sicher und trocken auf wordpress.com. Das ist auch gut so, da für mich die Vorteile deutlich überwiegen. So muss ich mich um die Pflege und Aktualisierung der Software überhaupt nicht kümmern. Genau so mag ich Technik.

Trotzdem hätte ich die Blog-Adresse gern unabhängig von diesem Service. Die Startseite konnte ich (per HTML-Refresh) auch über federwerk.de erreichbar machen. Die Adresse von Einzelartikeln (Permalink) folgt aber bisher dem Muster von wordpress.com:

http://federwerk.wordpress.com/JJJJ/MM/TT/Titel-des-Artikels

Nun sollen die Einzellinks dank Domain Mapping in Zukunft so aussehen:

http://federwerk.de/JJJJ/MM/TT/Titel-des-Artikels

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