PS: Die Launen des Schreibgebrauchs
Veröffentlicht: 23. November 2008 Einsortiert unter: Rechtschreibung | Tags: Abkürzung, Duden, PS, Rechtschreibung, Schreibgebrauch, Usus scribendi, Werbebrief 8 Kommentare »Für manche Schreibungen gibt es Regeln. Die meisten aber sind über lange Zeiträume im Schreibgebrauch entstanden, sie sind so Usus. Erst viel später sind sie in Wörterbüchern und Regeln erfasst worden.
So ist es auch für Abkürzungen, die lange gar nicht Gegenstand der Rechtschreibregelung waren. Mit Punkt, ohne Punkt, mit Spatium oder ohne … Das Ergebnis ist eine bunte Vielfalt, der am besten mit einem verlässlichen und aktuellen Wörterbuch (oder Lektor) beizukommen ist.
Mitunter aber kann sich der Schreibgebrauch für keine Variante entscheiden. Das scheint beim Postskriptum im Brief so zu sein (via). PS kommt geschrieben und gesprochen fast ausschließlich als Abkürzung vor, obwohl die meisten (?) noch wissen, wofür sie steht: lat. post scriptum, die »Nachschrift«.
PS: Die Abkürzung für Postskript[um] enthält keine Abkürzungspunkte und kein Leerzeichen. Nach PS kann mit oder ohne Doppelpunkt angeschlossen werden.
© Duden – Richtiges und gutes Deutsch, 6. Aufl. Mannheim 2007 [CD-ROM]
Ursprünglich nutzte man das Postskriptum, um im handgeschriebenen Brief (den gab’s tatsächlich mal) etwas nachzutragen, was man vergessen hatte. Erkennntnisse der Werbestrategen über die »natürliche Lesekurve« haben dem PS im letzten Jahrzehnt zu einer neuen Funktion verholfen.
Neugierig geworden durch diesen Beitrag, habe ich mir die Versionsgeschichte der Abkürzung im Duden angesehen:
7. Aufl. (Lpzg.; Wien 1902): Postskript(um), [keine Abk. verz.]
8. Aufl. (Lpzg.; Wien 1909): Postskript(um), [keine Abk. verz.]
9. Aufl. (Leipzig 1924): Postskript(um), Abk.: P. S.
11. Aufl. (Lpzg. 1937): Postskript(um), Abk.: PS.
13. Aufl. (Lpzg. 1954): Postskript(um), Abk.: PS
18. Aufl. (Lpzg. 1987): Postskript(um), Abk.: PS od. P. S. (lat.)
20. Aufl. (Mannheim; Lpzg. u.a. 1991): Postskript(um), Abk.: PS
24. Aufl. (Mannheim; Lpzg. u.a. 2006): Postskript(um), Abk.: PS
Da wurde doch wirklich mal die ganze Vielfalt ausgeschöpft. Das heutige »PS« ohne Punkt gibt es in der amtlichen Rechtschreibung spätestens seit 1954, also noch vor der Trennung in Leipziger und Mannheimer (14. Aufl. 1954) Duden.
Als alleinige amtliche Variante scheint PS seit dem Einheitsduden von 1991 zu gelten. Die Reform hat sich mit Abkürzungen nicht befasst. Doch bei dieser Unentschiedenheit bewahrt der Schreibgebrauch einfach alle drei Möglichkeiten. »Für wenns mal wieder anders kommt.«
Falls jemand einen alten Mannheimer Duden in Reichweite hat: Ich würde die Lücken gern füllen.



Wie? PS: so gibt es gar nicht mehr?
Doch, so schreibt man es nach aktuellem Duden. Der Doppelpunkt gehört nicht zur Abkürzung selbst und ist fakultativ. Er kann gesetzt werden, um den Text anzukündigen.
Wie auf wortfeiler.de aus dem grünen Duden zitiert:
Oder habe ich die Frage nicht verstanden?
Ok, ich habe mich schon gewundert – und wie ist die dritte Möglichkeit? P.S.?
Ich meinte die 3 Möglichkeiten, die in den letzten 100 Jahren nacheinander mal als richtig galten:
P. S. (mit 2 Punkten, nach der lateinischen Getrenntschreibung),
PS. (mit einem Punkt, Vorkriegsschreibung) und
PS (ohne Punkt, seit 1954).
Als normgemäß gilt heute laut Duden nur die letzte, aber darum schert sich der Schreibgebrauch ja nicht. Die Frage ist, ob man die Norm dem anpassen soll, und wenn ja: wie?
Ob man nach PS einen Doppelpunkt setzt oder nicht, erhöht zwar die Verwirrung, hat aber mit der Schreibung der Abkürzung nichts zu tun. Diese Ausnahme ist auch eine Konzession an den Schreibgebrauch. In allen anderen Fällen steht nach so einer Ankündigung seit 200 Jahren im Deutschen ein Doppelpunkt.
Mannheimer Duden (19., neu bearb. u. erw. Aufl. – 1986): PS
Vielen Dank für die Ergänzung!
Hab noch den Mannheimer Duden von 1961, 15. erweiterte Auflage, Jubiläumsausgabe
PS = Postskript(um)
Besten Dank fürs Nachschlagen!