Wo deutsche Dichter wohnen

Ein Verlag (bzw. hauptsächlich seine Verlegerin) will dahin gehen, wo die Bücher geschrieben werden. Da ist Berlin schon mal eine gute Wahl. Aber Deutsche Dichter wohnen überall, lästert die F.A.Z. Und Kat Menschik hat die Wohnorte lebender deutscher Schriftsteller in diese Karte eingezeichnet. Ein paar Dichterinnen kommen auch vor.

Für Pilgerreisende in Sachen (nicht nur deutscher) Literatur ist im Insel Verlag der Literarische Führer Deutschland in seiner ersten Ausgabe nach der Wende erschienen.


Der Kommentar des Korrektors

Weil er sich eines Kommentars nicht enthalten hat, muss der Korrektor einer chinesischen Zeitung eine Geldstrafe von umgerechnet 114 Euro zahlen, der verantwortliche Redakteur 57 Euro.

Ein Korrektor hatte die Bemerkung »so eine Arschkriecherei« in das Manuskript geschrieben – genervt von der Lobhudelei eines Nachwuchsreporters über Parteifunktionäre, der getextet hatte: »So hohe Führer zu sehen, begeisterte alle.«

Der Setzer konnte mit der »Arschkriecherei«-Notiz nichts anfangen – und baute den Satz um. Daraus wurde die Formulierung, die dann gedruckt wurde: »So eine Arschkriecherei begeistert mich wirklich.« (Quelle: SpOn)

Fast hätte ich gesagt: Das ist ja noch mal glimpflich abgegangen für chinesische Verhältnisse. Das war ihnen der Spaß sicher wert. Leider unterlässt es SpOn zu erwähnen, dass 114 Euro für einen chinesischen Stadtbewohner fast einem durchschnittlichen Jahreseinkommen (135 Euro im Jahr 2007) entsprechen. Peinliche Panne.


Neues Wiki zur Medienbranche

Der umtriebige Leander Wattig berichtet, dass er seine Übersicht zum Social Media Marketing der Medienunternehmen im deutschsprachigen Raum (vgl. hier im Federwerk) in Form eines Wikis neu erstellt hat:

Social Media Marketing der Medienbranche im deutschsprachigen Raum

Jetzt ist nicht mehr in erster Linie nach Unternehmensart, sondern nach Social-Media-Marketing-Maßnahme geordnet. Man erfährt also schnell, wer wo Blogs, Podcasts, Foren, Videos, Wikis und Ichweißnichtwasnoch (für die anderen Formen habe ich mich noch nicht interessiert) anbietet.

Ein unglaublicher Fundus, den ich sicher häufiger besuchen werde.


Schreibbar mit Schreibhilfen für Studierende

In bekömmlichen Dosen und mit komplizenhaftem Augenzwinkern werden sie an der Schreibbar ausgeschenkt: Tipps für Studierende, die Unterstützung beim Abfassen ihrer Abschlussarbeit suchen. (via)

Das Blog ist Teil des Forschungsprojektes LARS zur Wissensvermittlung im Internet und soll Studierenden Unterstützung und Orientierung für die Abschlussphase des Studiums bieten. Penelope Finke, im Blog verantwortlich für »Text, Gestaltung und Unterhaltung«, schreibt:

Die Idee, die unsere Schritte dabei gelenkt hat, war, keinen trockenen Leitfaden anzubieten (die gibt es bereits zuhauf – da hätten wir uns die Mühe auch sparen können …), sondern realitätsnah und ansprechend auf die Probleme einzugehen, mit denen sich Studierende in dieser Zeit tatsächlich herumschlagen müssen.

Eine unterhaltsame Zusatzquelle für alle, die alltagsnahe Begleitung beim Abfassen von Bachelor-, Master-, Diplom- oder Magisterarbeit schätzen. Was ich auf dem Blog vermisse: die Suchfunktion für Eilige.

Literaturtipps

Ratgeber zum wissenschaftlichen Schreiben


Neue Textformen statt nur E-Books?

Auf SpON überlegt Konrad Lischka heute, welche Geschichten das Kindle braucht. Anders formuliert: Warum ist im Zusammenhang mit den angekündigten Lesegeräten (Amazons Kindle, Sonys E-Book-Reader) eigentlich immer nur von Büchern die Rede?

Sehr lange Texte gedruckt und gebunden zu verkaufen, war viele Jahrzehnte lang ein erfolgreiches Geschäftsmodell. […] So hat das in den vergangenen Jahrzehnten funktioniert, weil es für Verlage, Buchhändler und alle anderen Beteiligten am einfachsten war, zweimal im Jahr eine kleine Auswahl Romane als gebundenes Buch für knapp 20 Euro zu verkaufen.

Das war nicht immer so: Autoren wie Nikolai Gogol, Guy de Maupassant, Edgar Allan Poe und Anton Tschechow waren berühmt für ihre Kurzgeschichten und Erzählungen. Und die sind zuerst oft in Zeitschriften und Zeitungen erschienen – als kurze, schnelle, unterhaltende Lektüre für einen Abend.

Die neue elektronische Vermarktung könnte kleinen Textformen, die im heutigen Literaturbetrieb kaum eine Chance haben, neue Möglichkeiten eröffnen. Das käme gleichzeitig dem veränderten Leseverhalten vieler entgegen.

Die Stiftung Lesen in Mainz stellte in ihrer Studie »Lesen in Deutschland 2008« fest, dass Jugendliche und Erwachsene in Deutschland immer weniger Bücher lesen. Das heißt ja keineswegs (wie häufig verkürzt behauptet wurde), dass weniger gelesen wird. Es wird vielmehr anders und anderes gelesen. Es ist also Zeit zu überlegen, mit welchen Produkten und Textformen diese Leser zu erreichen sind.

Lischka schlägt vor, es mit Kurztexten wie Fortsetzungsromanen, Kurzgeschichten oder Heftchengeschichten zu versuchen. Sein Fazit:

Ob das als Produkt funktioniert, weiß niemand. Und das wird auch nie jemand erfahren, solange Verlage online ausschließlich in buchhandelskompatiblen Textformen denken.

Ich hätte noch mehr Textwünsche fürs elektronische Lesegerät. Das wäre doch eine feine Alternative für alles, was ich fern vom Schreibtisch nur selektiv lesen möchte und nicht im Bücherregal brauche: Unterhaltungsliteratur, die meisten Sachbücher, Zeitungen und Zeitschriften …

Endlich keine halb gelesene und vorwurfsvoll herumliegende ZEIT mehr, die ich irgendwann doch entsorge. Keine ausgelesenen Paperbacks mehr, die nur deshalb die Regale verstopfen, weil ich keine Bücher wegwerfen kann.

Aber Die Unsterblichkeit und Das verborgene Wort hätte ich aktuell auch dann in Papierform auf dem Nachttisch, wenn sie hierzulande schon als E-Books zu haben wären.

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DAS mit dem DASS

In den VDI-Nachrichten beklagt ein Personalberater, dass selbst Manager in der Schreibung oft nicht zwischen das und dass zu unterscheiden verstehen. (via)

Stimmt. Ein Indiz für das Zurückfallen der Sprachkultur auf das Niveau von Tarzan und Jane ist es aber nicht. Die Regel ist seit Jahrzehnten eine der häufigsten Quellen für Rechtschreibfehler. Das galt schon vor der Reform, als dass noch daß geschrieben wurde. Ein Grund mag darin liegen, dass die falsche Schreibung an dieser Stelle nie zu Missverständnissen führt.

Die Unterscheidung ist eine konventionelle – der Vergleich des Personalers mit den verschiedenfarbigen Socken zum Anzug trifft es. Konventionen sind nicht nur in der Rechtschreibung »gefährdet«, sich mit der Zeit abzuschleifen. Wir beobachten das derzeit zum Beispiel bei der Unterscheidung von derselbe/der gleiche oder bei als und wie im Vergleich (Er ist jünger als/wie seine Schwester).

Der ursprüngliche Entwurf für die reformierte Rechtschreibung sah übrigens auch vor, in Zukunft nur noch das zu schreiben. Nun bleibt abzuwarten, wie sich die Sache entwickelt. Und bis dahin beachte man die Regel am besten in allen Situationen bzw. Texten, in denen es (auch) auf Konventionen ankommt – und die falschen Socken zum Anzug peinlich wären.

Für den Spickzettel:

1. Man schreibt das mit [s], wenn man es durch dieses, jenes oder welches ersetzen kann. 2. Man schreibt es mit [ss], wenn man es nicht ersetzen kann.

Das Buch, das (welches) Sie bestellt haben, ist längst erschienen. Dass es bereits vergriffen ist, wundert mich nicht. Ich hoffe, dass bald eine Nachauflage erscheint. Dass du mir pünktlich bist!


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