Klartext statt »Behördisch«

Es gibt hierzulande tatsächlich Behörden, deren MitarbeiterInnen verstanden werden wollen und sollen. In Zusammenarbeit mit Fachleuten (Linguisten, Juristen) überarbeiten sie Behördentexte und trainieren, verständlich und zugleich rechtssicher zu formulieren.

NDR Info hat dazu in dem Feature Schluss mit »Behördisch« gestern ein Projekt aus der Hamburger Verwaltung vorgestellt. Der Beitrag in der Reihe das Forum kann in der Mediathek abgerufen werden (ca. 30 Minuten).

Weiterführende Informationen:

Das Netzwerk IDEMA (die Abkürzung blieb mir leider bislang unverständlich) unterstützt Verwaltungen, die Wert auf eine bürgerfreundliche Sprache legen, mit Mustertexten, Gutachten und Schulungen.


Wie das Lesen uns verändert

Maryanne Wolf: Das lesende Gehirn. Wie der Mensch zum Lesen kam – und was es in unseren Köpfen bewirkt.Das lesende Gehirn Übersetzt von Martina Wiese. Spektrum Akademischer Vlg. 2009

Die F.A.Z.-Leseprobe stellt das Buch der amerikanischen Neurowissenschaftlerin und Leseforscherin in einer Artikelserie vor:

0 Einführung
1 Wie uns das Lesen verändert
2 Die Umformung unseres Gehirns
3 Der Weg zu einem gewandelten Geist
4 Erzeugt ein Alphabet ein anderes Gehirn?
5 Wenn der Leser zu fühlen beginnt


»Vorsprung von Schwarz-Geld schmilzt zusammen«

Für diese Schlagzeile hat die Wissenswerkstatt wenige Tage vor der Bundestagswahl den »Sonderpreis für die ehrlichste Schlagzeile in der Wahlkampfberichterstattung« vergeben.

Inzwischen ist es beim »Express« zwar korrigiert – aber das wäre doch eine griffige Alternative zur Verniedlichung als »Tigerentenkoalition«!

Ähnliche Artikel:


Gedenkfloskeln

Rund 1000 Menschen haben am Sonntag bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Ansbacher St.-Johannis-Kirche der […] Opfer des Amoklaufs an dem örtlichen Gymnasium gedacht.

So wabert es heute Morgen durch die Medien. Wenn die Zahl der Opfer benannt wird, »zählen« offenbar nur diejenigen, die sichtbare Verletzungen davongetragen haben. Ihrer »gedenkt« man. Wie mag das ankommen bei den Angehörigen der beiden schwer verletzten Mädchen, die inzwischen außer Lebensgefahr sein sollen?

Die Opfer leben! Dennoch werden die längst (… Erfurt, Emsdetten, Winneden …) eingeübten Gedenkfloskeln aneinandergereiht. Könnte man dieses Mal nicht einfach für die (und zwar für alle) Opfer beten/bitten?

Nach wie vor scheint mir auch die Bezeichnung »Amoklauf« für solche von männlichen Jugendlichen stets Monate im Voraus geplanten und vorbereiteten schweren Gewalttaten an Schulen wenig angemessen.

Amok […] der; -s : Amok laufen: in einem Zustand krankhafter Verwirrung [mit einer Waffe] umherlaufen und blindwütig töten; […]
Duden – Das Fremdwörterbuch, 9. Aufl. Mannheim 2007 [CD-ROM]

Und schließlich wäre darüber zu reden, warum in der Sprache der Medien ein »junger Mann« mehrere »Mädchen« schwer verletzt hat.


Das erfolgreichste Buch der Wissenschaftsgeschichte

Das »erfolgreichste Buch der Wissenschaftsgeschichte« – so habe ich heute gelernt – wurde um 1230 von einem (vermutlich) englischen Gelehrten an der Pariser Universität geschrieben: das Astronomielehrbuch »Tractatus de Sphaera« von Johannes de Sacrobosco.

Es soll in zahlreichen Abschriften und 130 Druckausgaben aus der Zeit von 1472 bis 1656 verbreitet gewesen sein. Für 4 Jahrhunderte war es in Europa die Grundlage für das Studium der Astronomie, die als Teil der Artes liberales zum Pflichtprogramm für alle Studenten gehörte, bevor sie sich im Hauptstudium der Theologie, Medizin oder Rechtswissenschaft widmen konnten.

Zahlreiche weitere wertvolle Handschriften und Drucke sowie Globen, Karten und astronomische Messinstrumente zeigt die aktuelle Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Rostock:

Harmonia mundi. Brahe, Kepler und die Revolution des Weltbildes um 1600 (24. Juli 2009 – 1. November 2009).


»Schwere« Satzfehler und ihre Korrektur

Aus dem Bleisatz stammen zwei wichtige Regeln für den Seiten- bzw. Spaltenumbruch:

  1. Die letzte (meist kürzere) Zeile eines Absatzes darf nicht am Anfang einer Seite oder Spalte stehen, da sie den Satzspiegel stört.
  2. Die erste Zeile eines Absatzes (die oft mit einem Einzug beginnt) oder eine Überschrift darf nicht am Ende einer Seite oder Spalte stehen.

Der »Duden Satz und Korrektur« (Mannheim 2003, S. 228) nennt Verstöße dagegen »besonders schwere Satzfehler«. Während die erste Regel im professionellen Satz stets befolgt werden sollte, wendet man die zweite nur bei Überschriften noch grundsätzlich an, bei Absätzen wird der Verstoß oft toleriert.

In Satzprogrammen hilft heute die »Absatzkontrolle« dabei, die Regeln einzuhalten; sogar Textverarbeitungen verfügen inzwischen über diese Funktion. Tritt ein Fehler dennoch auf, ergeben sich zwei Fragen: Wie benennt man ihn? Von wem bzw. mit welchen Mitteln wird er behoben? Den Rest des Beitrags lesen »


Studie: Verständlichkeit der Bundesregierung

Häufig wird Parteien und Politikern Unverständlichkeit vorgeworfen. Daher untersuchten Kommunikationswissenschaftler der Universtität Hohenheim Web-Texte der Bundesregierung (aus Kanzleramt und Ministerien) und fragten:

Lässt sich durch eine Optimierung der Webseiten-Texte der Bundesregierung deren Verständlichkeit und damit auch der Kommunikationserfolg der Bundesregierung verbessern?

Die Wissenschaftler setzten eine Software (TextLab) ein, um in ausgewählten Texten die »Problemstellen« aufzufinden. Diese optimierten sie anschließend mit den bekannten Mitteln: verständliche Wörter verwenden, schwer verständliche Begriffe erklären, zu komplexe Satzstrukturen auflösen, logisch strukturieren, Zwischenüberschriften einsetzen …

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