Anschläge, Buchstaben, Zeichen oder was?

»Polyfon zwitschernd aßen Mäxchens Vögel Rüben, Joghurt und Quark.«

Dieses Pangramm (gefunden im Typoforum) enthält nicht nur alle Buchstaben des deutschen Alphabets, es hat wahlweise auch

  • 71 Anschläge,
  • 55 Buchstaben,
  • 57 Zeichen ohne Leerzeichen,
  • 65 Zeichen mit Leerzeichen.

Je nach Anwendungsbereich. Oft stellt sich indes heraus, dass ohne Unterschied »Zeichen« gemeint (und gezählt) sind, wenn einer der Begriffe verwendet wird. Missverständnisse sind also abzusehen.

Wie viele Anschläge tippen Sie?

Anschläge sagen etwas über die Leistung beim 10-Finger-Tastschreiben aus. Dabei wird gezählt, wie viele einzelne Tasten in einer bestimmten Zeit erfolgreich betätigt werden. An der mechanischen Schreibmaschine mussten diese noch mit einigem Kraftaufwand möglichst gleichmäßig »angeschlagen« werden.

Ein einfacher Anschlag genügt für alle Zeichen (auch Leerzeichen), die über die Hauptbelegung einer Taste zu erreichen sind. Alle Zeichen der Zweitbelegung (Großbuchstaben, Sonderzeichen) erfordern 2 Anschläge – Umschalttaste (Shift) und Zeichentaste –, sie zählen daher doppelt.

Mit dieser Zählweise nehmen es Lernende und Bewerberinnen in Büroberufen genau: Ein IHK-Prüfling muss 120 Anschläge pro Minute mit weniger als 0,5 % Fehlern tippseln; eine geprüfte Sekretärin mindestens 230, versierte Tipper schaffen 300 bis 400 Anschläge pro Minute.

Über den Textumfang gibt die Zahl der Anschläge keine brauchbare Auskunft. Sie lässt sich auch nur von Hand (bzw. mit ausgezählten Vorlagen) und nicht mit der Zeichen-Zählung einer Textverarbeitung ermitteln.

Wer zählt Buchstaben?

Als sinnvolle Anwendung für diese Zählweise fällt mir nur das Kreuzworträtsel ein: Stadt an der Ostsee mit 7 Buchstaben (und 7 Toren und 7 Rathaustürmen)?

Wenn man den Textumfang für eine Publikation ermitteln oder eine Textdienstleistung vereinbaren will, sind die Nicht-Buchstaben (Ziffern, Interpunktionszeichen, Symbole, Leerzeichen) ebenso wichtig und werden daher mitgezählt. Auch hier gilt: Da nur Zeichenzahlen mit dem PC zu ermitteln sind, spricht oft von »Zeichen«, wer »Buchstaben« sagt.

Zeichen zählen – am besten alle

Die meisten Textarbeiter (Texter, Übersetzer, Lektoren, Korrektoren) bevorzugen diese Zählweise, die Buchstabenzeichen, Interpunktionszeichen, Ziffern, Symbole und Leerzeichen erfasst. So kommt man am ehesten zu unstrittigen Ergebnissen – anders als mit Wörterzahlen oder gar Normseiten, Manuskript-, Standard- oder Druckseiten.

Die Leerzeichen werden dabei gern vergessen – nicht nur, weil die Textverarbeitung beide Varianten anbietet. Was aber wäre der Lattenzaun ohne den Zwischenraum, hindurchzuschaun? Das Leerzeichen ist oft bedeutungsunterscheidend und muss besonders sorgfältig korrigiert werden. Es nimmt Raum ein – und ist deshalb auch für den Setzer/Layouter wichtiger Textbestandteil.

Wenn Sie einigermaßen genau einschätzen wollen, ob Ihr Manuskript für die Publikation passt oder noch zu lang / zu kurz ist, kommen Sie mit der Zeichenzahl (einschließlich Leerzeichen) am weitesten. Die durchschnittliche Zeichenzahl der für diesen Text geplanten Druckseite lässt sich herausfinden – die Zahl der Buchstaben oder Anschläge pro Seite kaum.

Fazit: Im Tastaturkurs zählen Sie Anschläge, fürs Kreuzworträtsel Buchstaben und in fast allen anderen Fällen – Zeichen. Es sei denn, Sie basteln Elfchen oder Haikus oder Pangramme.

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2 Kommentare on “Anschläge, Buchstaben, Zeichen oder was?”

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