Groß- und Kleinschreibung in Tabellen

Die Aufgabe: Ein Manuskript (in diesem Fall ein Geschäftsbericht) enthält zahlreiche Tabellen, in denen vorwiegend Zahlen, in vielen Fällen jedoch auch Text steht. Meist sind verkürzte Formulierungen in Einzelwörtern, Aufzählungen oder Wortgruppen gewählt. Da der Inhalt der Zellen nicht immer mit einem Substantiv beginnt, ist vorab zu klären: Wann schreibt man in Tabellen groß, wann klein?

Aktuelle Regeln und Nachschlagewerke

Die amtliche Rechtschreibung (Stand 2006) regelt die Schreibung von einzelnen Wörtern und Wortformen (Laut-Buchstaben-Beziehungen, Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung, Worttrennung). Auf der Satz- und Textebene sind Groß- und Kleinschreibung (Überschriften, Bildunterschriften usw.) und Interpunktion (Zeichensetzung) geregelt.

Der aktuelle Duden Rechtschreibung (26. Aufl., 2013) und der Duden »Richtiges und gutes Deutsch« (7. Aufl., 2011) geben ebenfalls keine Empfehlung. Der Ratgeber »Duden – Satz und Korrektur« (Mannheim 2003) sagt etwas zur Gestaltung (mit/ohne Linien, Linienstärken), aber erwartungsgemäß nichts zur Groß- und Kleinschreibung.

Für besondere Formen wie Formulare, Glossare, Register, Tabellen usw. müssen Schreibende und/oder Gestaltende selbst Lösungen finden.

Empfehlung zur Vereinheitlichung

Für eine Publikation muss spätestens im Lektorat eine durchgehende Lösung gefunden werden. Die Zahl der Großschreibungen sollte dabei im Interesse der Lesbarkeit nicht unnötig vergrößert werden.

Tabelle mit Kopfzeile (1) und Vorspalte (A)

Tabelle mit Kopfzeile (1) und Vorspalte (A)

Bewährt haben sich diese Grundregeln:

  1. Die Einträge im Tabellenkopf (Kopfzeile, Zeile 1) beginnen jeweils mit einem Großbuchstaben, wenn sie als Überschriften zu den Spalten anzusehen sind.
  2. Hat die Tabelle eine Vorspalte (Spalte A), deren Einträge die Angaben in der Zeile ankündigen, beginnen die Texte in dieser Spalte mit Großschreibung.
  3. Sind die Einträge in der Vorspalte weiter unterteilt, wählt man ein einheitliches Vorgehen für die Tabelle, am besten für die gesamte Publikation.
  4. Die Einträge in allen anderen Zellen werden nach den Rechtschreibregeln groß- oder kleingeschrieben, sie erhalten keine zusätzliche Großschreibung.

Hintergrund

Wenn es wie hier keine aktuelle Regelung für eine Detailfrage gibt, lohnt sich häufig ein Blick in ältere Handbücher und Regelwerke.

Der Vorgänger des Duden-Ratgebers (»Duden – Satz- und Korrekturanweisungen. Richtlinien für die Texterfassung«. Mannheim 1986) und die älteren Auflagen von Duden 1 und Duden 9 befassen sich mit der Groß- und Kleinschreibung in Tabellen nicht.

Fündig wurde ich im Leipziger Duden (18. Neubearbeitung, Leipzig 1985), der wie seine Vorgänger einen Anhang mit »Vorschriften für den Schriftsatz« enthält. Unter »Typographisch-rechtschreibliche Besonderheiten« findet sich die folgende Empfehlung für die Groß- und Kleinschreibung in Tabellen:

Das erste Wort der einzelnen Felder des Tabellenkopfes und der ersten Spalte des Tabellenfußes ist mit großem Anfangsbuchstaben zu setzen, wenn der Text die Funktion einer Überschrift für die betreffende Spalte bzw. für die folgenden Tabellenfelder der Tabellenzeile erfüllt.

In den übrigen Feldern des Tabellenkopfes und des Tabellenfußes ist das erste Wort im Hinblick auf den Anfangsbuchstaben so zu setzen, wie es die Rechtschreibregeln verlangen.

(Quelle: Der Große Duden Rechtschreibung. Wörterbuch und Leitfaden der deutschen Rechtschreibung. 18. Neubearb. Leipzig 1985, S. 721)


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Über Marion Kümmel

Marion Kümmel ist freie Lektorin und Federwerkerin. Seit 2001 übernimmt sie Textdienstleistungen für Publikumsverlage, Agenturen, Firmen und Autoren. Sie redigiert Sachbücher und Fachtexte, wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie Texte aus Unternehmenskommunikation und Werbung. Ihre Texterfahrungen vermittelt sie in Vorträgen und Schulungen.

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