Das Versal-Eszett in der Rechtschreibung

Versal-EszettDas Schriftzeicheninventar der amtlichen deutschen Rechtschreibung wird vermutlich bald erweitert: um einen Großbuchstaben für das Eszett. #

Die bisherigen Rechtschreibregelungen seit 1901 gehen davon aus, dass es keinen Versalbuchstaben (Großbuchstaben) für das Eszett gibt. Bei Satz in Versalien oder Kapitälchen sehen sie deshalb den Ersatz durch Doppel-S vor, zum Beispiel in der Rostocker MASSMANNSTRASSE.

April 2008: Wie hier auf Federwerk berichtet, wurde das Versal-Eszett in den internationalen Zeichensatz Unicode (Code: U+1E9E) aufgenommen. Da das Eszett ein Sonderbuchstabe ist, der nur in der Schreibung der deutschen Sprache (außer in der Schweiz) verwendet wird, war das ein wichtiger Schritt. Teil der amtlichen Rechtschreibung wurde es damit aber noch nicht.

Die Duden-Sprachberatung zeigte sich jedoch pragmatisch, wie in ihrem Newsletter vom 22. August 2008 zu erfahren ist:

Die internationale Organisation für Normung (ISO) hat nun – in den internationalen Zeichensätzen ISO-10646 und Unicode 5.1 – ein Zeichen für das große Eszett festgeschrieben: eine wichtige Neuerung, besonders für Buch- und Zeitungsverlage, aber eine, die nicht Bestandteil der amtlichen Rechtschreibung ist. Allerdings darf mündigen Bürgerinnen und Bürgern im Einzelfall getrost die Entscheidung überlassen werden, ob sie das große Eszett etwa für die Schreibung ihres Namens nutzen oder nicht.

Dezember 2016: Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat in seinem 3. Bericht (Periode 2011 bis 2016) »Vorschläge für Anpassungen des Regelwerks und die Fortentwicklung der Rechtschreibung unterbreitet und begründet«. Er schlägt unter anderem eine Erweiterung des amtlichen Regelwerkes der deutschen Rechtschreibung um einen Großbuchstaben für das Eszett vor,

nicht zuletzt, um für amtliche Zwecke, insbesondere Personaldokumente wie Personalausweis und Pass, die Einheitlichkeit der Schreibweise z. B. von Personennamen zu sichern. (aus: Pressemeldung des Rats für deutsche Rechtschreibung)

Der Bericht wurde an die staatlichen Stellen übergeben, die für die »Amtliche Regelung« zuständig sind, in Deutschland ist das die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder.

(Der Artikel erschien erstmals im August 2008 und wurde 2016 aktualisiert.)


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Über Marion Kümmel

Marion Kümmel ist freie Lektorin und Federwerkerin. Seit 2001 übernimmt sie Textdienstleistungen für Publikumsverlage, Agenturen, Firmen und Autoren. Sie redigiert Sachbücher und Fachtexte, wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie Texte aus Unternehmenskommunikation und Werbung. Ihre Texterfahrungen vermittelt sie in Vorträgen und Schulungen.

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