Der Strich für »bis« wird zum Bis-Zeichen

Bis-Zeichen

Manchmal müssen Zeichen nicht nur normgemäß gesetzt oder korrigiert, sondern auch genau bezeichnet werden. Etwa wenn Regeln formuliert und auffindbar gemacht werden sollen. Schwer tun sich Regelwerke bislang mit dem Halbgeviertstrich, der als Wortzeichen für die Präposition »bis« verwendet wird.

Nach der Amtlichen Regelung für die deutsche Rechtschreibung (§ 55) lassen sich die Varianten 1 und 2 – mehr oder weniger überzeugend – begründen.

1. Großschreibung als zusammengesetztes Substantiv

Aus der Wortgruppe wird langsam eine Zusammensetzung. Die Bezeichnung des Zeichens ist ein Substantiv. Nach der Grundregel für die Großschreibung von Substantiven wird ein nichtsubstantivischer Erstbestandteil großgeschrieben, auch bei Schreibungen mit Bindestrich: It‑Girl, Ist‑Zustand, Ich‑Form.

Die Zusammensetzung aus bis und Zeichen kann also ebenso geschrieben werden wie die älteren Bezeichnungen dieser Art, insbesondere At‑Zeichen, Et‑Zeichen sowie Und‑Zeichen, nämlich Bis‑Zeichen.

2. Kleinschreibung als zitierte Wortform

Als Ausnahme formuliert die Amtliche Regelung, dass »Abkürzungen sowie zitierte Wortformen und Einzelbuchstaben und dergleichen« (§ 55) als Erstbestandteile zusammengesetzter Substantive unverändert bleiben: pH-Wert, dass‑Satz, f‑Laut.

Analog zum dass-Satz wäre also auch bis-Zeichen möglich und normgemäß, wenn das bis als zitierte Wortform aufgefasst wird. Allerdings geht es in den Anwendungsfällen für die Zusammensetzung nicht um das Wort bis, sondern um dessen Ersatz durch den Halbgeviertstrich.

3. Kleinschreibung und Auszeichnung

Diese graphostilistische Variante ist besonders bei sehr ungewöhnlichen oder einmaligen Wortbildungen üblich und soll das Lesen erleichtern. Das »bis« kann in Anführungs­zeichen gesetzt oder kursiv ausgezeichnet werden: »bis«‑Zeichen, bis‑Zeichen.

Diese Schreibung wählt die Duden-Redaktion, allerdings nur für das Zeichen für »bis«. In den Duden-Bänden stehen aktuell also alle drei Varianten für ähnliche Fälle nebeneinander: bis‑Zeichen (nur bis kursiv, Duden 9) bzw. »bis«‑Zeichen (Duden 1) neben dass-Satz (ohne Auszeichnung) sowie At‑Zeichen, Et‑Zeichen und Und‑Zeichen.

Fazit und Empfehlung

Für sich genommen sind diese unterschiedlichen Varianten in der Schreibung möglich. Aber: Gleiche Fälle sollten möglichst auch gleich behandelt werden. Das gilt für Empfehlungen in einem Wörterbuch ebenso wie für die Handhabung innerhalb eines Textes.

Die Zusammensetzung aus bis und Zeichen ist inzwischen verbreitet und geläufig, sodass eine Kennzeichnung des bis als Zitatwort nicht notwendig ist. Die Zusammensetzung fügt sich ein in eine Reihe älterer Zusammensetzungen nach diesem Muster, die (bisher) nach der Grundregel großgeschrieben werden. Wer also At‑Zeichen, Et‑Zeichen und Und‑Zeichen schreibt, sollte auch Bis‑Zeichen schreiben.

PS: Ein Lektorat achtet auf die konsistente Verwendung und Schreibung der Bezeichnungen innerhalb eines Textes und schlägt begründete Lösungen vor.


Quellen:

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(Dieser Beitrag erschien am 7. August 2016 auf federwerk.de und wurde 2017 überarbeitet und ergänzt.)


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Über Marion Kümmel

Marion Kümmel ist freie Lektorin und Federwerkerin. Seit 2001 übernimmt sie Textdienstleistungen für Publikumsverlage, Agenturen, Firmen und Autoren. Sie redigiert Sachbücher und Fachtexte, wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie Texte aus Unternehmenskommunikation und Werbung. Ihre Texterfahrungen vermittelt sie in Vorträgen und Schulungen.

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