Wie funktioniert die »Informationsgesellschaft«?

So funktioniert die Informationsgesellschaft. Meint das Satiremagazin TITANIC in einer Infografik. Was da nicht steht: In der Wikipedia besteht die Chance, dass ein Fehler oder Irrtum früher oder später korrigiert wird.

Grundgesetzlich deutsch?

Nicht nur, dass der seit Jahrtausenden immer wieder prognostizierte Sprachverfall und sichere Untergang bisher ausgefallen ist, obwohl nichts bleibt, wie es ist. Nicht nur, dass die jeweilige Jugend – ohne Sitten, Ideen und Ehrgeiz – stets Anlass gibt zu schlimmsten Befürchtungen. (Sogar die Zahl der Jugendlichen, die rauchen und trinken, ist in diesem Jahr gesunken.)

Nein: Das ganze christliche Abendland hangelt sich von Untergangstermin zu Untergangstermin, wie Markus Gansel in seiner Chronik der (verpassten) Weltuntergänge zeigt. (gefunden bei: Thomas Müller)

Nun stehen uns schon wieder schwierige Zeiten und ein Jahr schlechter Nachrichten bevor. Hinzu kommt: Nicht einmal die deutsche Sprache scheint sicher; schließlich steht sie ja nicht im Grundgesetz. [Weiterlesen …]

Wahrhaftige Abcontrafactur

Die Titelgrafik des Federwerks verwendet derzeit verwendete im Dezember einen kleinen Ausschnitt aus der berühmten Vicke-Schorler-Rolle. Das über 18 Meter lange Original aus dem 16. Jahrhundert trägt den sorgsam formulierten und in Versalien geschriebenen Titel:

»WAHRHAFTIGE ABCONTRAFACTUR DER HOCHLOBLICHEN UND WEITBERUMTEN ALTEN SEE UND HENSESTADT ROSTOCK – HEUPTSTADT IM LANDE ZU MECKELNBURGK«

Interessant an der Schreibung bzw. Typografie: Für das heutige [U] ist noch [V] verwendet. Die Wortgrenzen sind durch Interpuncta (»Zwischenpunkte«; Singular Interpunctum) gekennzeichnet. Statt der Leerzeichen, die seit karolingischer Zeit (seit ca. 800) üblich waren, stehen also mittige Punkte zwischen den Wörtern.

Der Rostocker Krämer Vicke Schorler hat die kolorierte Federzeichnung angefertigt und 1586 vollendet.

Der Erste Prokrastinator

Die Schöpfungsgeschichte – von Kathrin Passig erzählt, sagt Sascha Lobo.

»Im Anfang schuf Gott erst mal ––– gar nichts …«

Der Trailer zum Buch bei YouTube. (Produktion: Marko Thorhauer)

(via Spreeblick)

Lehrstück in Öffentlichkeitsarbeit

Mit einstweiliger Verfügung des Landgerichts Lübeck vom 13. November 2008, erwirkt durch Lutz H[…], MdB (Die Linke), wird es dem Wikimedia Deutschland e.V. untersagt, »die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten«, solange »unter der Internet-Adresse de.wikipedia.org« bestimmte Äußerungen über Lutz Heilmann vorgehalten werden. […]
[Startseite von wikipedia.de am 15. November 2008]

Unglaublich. Weil eine Person Einwände gegen einen einzigen Artikel der Bürgerenzyklopädie hat, ist sie unter wikipedia.de derzeit nicht erreichbar. Unter wikipedia.org bleibt das Lexikon aber zugänglich. Warum man nicht lediglich den Artikel bis zu einer Klärung gesperrt hat, weiß ich nicht, für den Kläger jedenfalls ist der schlimmste anzunehmende PR-Unfall eingetreten.

Umgekehrt heißt das: Wer in Zukunft will, dass ein Eintrag unbedingt von möglichst vielen wahrgenommen wird, der erwirke eine einstweillige Verfügung (zu den Details » law blog) dagegen. Effektiver hätte man Nutzer kaum auf den Artikel über den MdB und die »bestimmten Äußerungen« stoßen können.
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Nachtrag 16. Nov., 16:00 Uhr: Nachdem beanstandete Teile des Artikels (es ging dabei ausdrücklich nicht um Aussagen über seine Tätigkeit für das MfS) überarbeitet wurden, hat Heilmann erklärt, dass er nicht weiter gegen die Wikipedia, wohl aber gegen Einzelpersonen vorgehen werde. (via)

Die Orthokurvatur von Gurken

Die Europäische Union hat beschlossen, die Normungen für 26 Obst- und Gemüsesorten abzuschaffen, darunter den berüchtigten Krümmungsgrad der Gurke. Abgeschafft werden sollen auch die Standards beispielsweise für Auberginen, Bohnen, Spargel, Karotten und Pflaumen. Die Normen waren eingeführt worden, damit in standardisierte Gemüsekisten jeweils die gleiche Menge hineinpasst.

Eine Reihe von Ländern war gegen die Abschaffung der Standards und auch der Deutsche Bauernverband hat sie scharf kritisiert. Vermutlich fanden sie das überhaupt nicht komisch und haben lange und ernsthaft darüber debattiert.

Merke: Die Grundsatzdiskussionen um die einzig richtige deutsche Orthografie oder das einzig richtige versale Eszett (an denen ich mich im Unterschied zu Gurkendiskussionen gern beteilige) lassen sich also durchaus noch toppen.