Reformierte Rechtschreibung nun überall amtlich
Veröffentlicht: 28. Juli 2009 Einsortiert unter: Alltag, Rechtschreibung, Sprachwandel | Tags: Duden, neue Rechtschreibung, Rechtschreibreform, Rechtschreibung, Sprachwandel, Wahrig Schreibe einen Kommentar »Die eine oder andere Frist ist verstrichen, seit 1996 die erste Version der »neuen Rechtschreibung« ihren Weg in die Wörterbücher gefunden hat.
Als ich 1996/97 die ersten Seminare zur »neuen Rechtschreibung« anbot, hieß es oft: »Die wird doch erst 2005 amtlich; bis dahin fließt noch viel Wasser in die Ostsee.« 1998 (Einführung für Schulen und Behörden) und 1999 (Übernahme durch die Nachrichtenagenturen) wollten ganz plötzlich ganz viele sofort ihre MitarbeiterInnen schulen. Das Interesse hielt an – trotz kleinerer Änderungen und Sommertheater 2004 – bis etwa 2006 (Revision und bis jetzt gültige Fassung). Seitdem meint mancher: »Wer weiß, wie oft da noch geändert wird.«
Am 31. Juli 2009 läuft nun in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein die letzte Übergangsfrist aus. In Deutschland und Belgien endete sie am 31. Juli 2007, in Österreich und Bozen-Südtirol zum 31. Juli 2008.
Damit gilt das amtliche Regelwerk (mit Stand vom Februar 2006) dann in Schulen, Ämtern und Behörden aller Länder, in denen Deutsch Amts- oder Minderheitensprache ist.
Die aktualisierten Wörterbücher von DUDEN (Bibliographisches Institut) und WAHRIG (Bertelsmann) liegen seit einer Woche vor. Die Eckdaten habe ich hier in meinem Journal verglichen. Den neuen (digitalen) Duden teste ich ab jetzt im Alltag – Bericht folgt.
Links zur Rechtschreibreform
- Regeln und Wörterliste zum Download beim IDS
- Rat für deutsche Rechtschreibung, Nachfolger der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung
- Deutschsprachige Nachrichtenagenturen (sog. Agenturregelung)
- Ressourcen zur Rechtschreibung im Internet
Zahlen in Ziffern oder in Buchstaben?
Veröffentlicht: 25. Mai 2009 Einsortiert unter: Alltag, Typografie | Tags: Buchdruckerregel, Regel, Schriftsatz, Typografie, Zahlen, Ziffern 4 Kommentare »Totgesagte leben länger. Das scheint auch für die »Regel« zu gelten, nach der Zahlen von eins bis zwölf als Wort, ab der bösen 13 hingegen in Ziffern (numerisch) geschrieben werden sollten. Noch immer kennen Journalisten sie, frisch ausgebildete Mediengestalterinnen befolgen sie ohne Widerspruch, in manchen Verlagsrichtlinien hält sie sich hartnäckig.
Die aktuelle Empfehlung
Grundsätzlich kann man Zahlen sowohl in Ziffern als auch in Buchstaben schreiben. Den Rest des Beitrags lesen »
Auch beruhigen Sie mich über den Titel
Veröffentlicht: 6. Mai 2009 Einsortiert unter: Alltag, Bücher, Texte und Kritik, Schreiben und Publizieren | Tags: Berlin, Briefing, Humboldt, Kosmos, Lektor, Publizist Schreibe einen Kommentar »Heute ist er auf allen Kanälen: Alexander von Humboldt (geb. 14. September 1769; gest. 6. Mai 1859) – Naturforscher, Weltreisender, Netzwerker und überaus produktiver Publizist.
Mein Lieblings-Fundstück steht in einem Brief von 1834 an Karl August Varnhagen von Ense (1785–1858): ein charmantes und zeitloses Briefing für einen Lektor. Nachdem er dem langjährigen Freund und Vertrauten seine Pläne für den Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung detailliert vorgestellt hat, schließt Humboldt:
Nun meine Bitte, theurer Freund! Ich kann es nicht über mich gewinnen, den Anfang meines Manuskripts wegzuſenden, ohne Sie anzuflehen, einen kritischen Blick darauf zu werfen. Sie haben ſo großes Talent der anmuthreichſten Schreibart, Sie ſind auch so geiſtreich und unabhängig, daß Sie Formen des Schreibens nicht geradehin zurückstoßen, die individuell ſind und von den Ihrigen abweichen. Leſen Sie gewogentlichſt die Rede, und legen Sie ein Blättchen an, auf welches Sie schreiben, ganz ohne Gründe anzugeben: ſo … hätte ich lieber ſtatt ſo … dieſes. Tadeln Sie aber nicht, ohne mir zu helfen. Auch beruhigen Sie mich über den Titel.
Mit innigſtem Vertrauen Ihr A. v. Humboldt
(Brief vom 27. Okt. 1834. In: Briefe von Alexander von Humboldt an Varnhagen von Ense aus den Jahren 1827 bis 1858. 4. Aufl., New York 1860)
Auf den Text (in modernisierter Rechtschreibung) bin ich vor einigen Wochen gestoßen, als ich diesen Prachtband von Frank Holl Korrektur gelesen habe, der heute bei Eichborn Berlin erschienen ist:
Auf ein gutes 2009
Veröffentlicht: 1. Januar 2009 Einsortiert unter: Alltag, Bücher, Texte und Kritik Schreibe einen Kommentar »Unter Zeiten
Das Perfekt und das Imperfekt
tranken Sekt.
Sie stießen aufs Futurum an
(was man wohl gelten lassen kann).Plusquamper und Exaktfutur
blinzten nur.[Christian Morgenstern, Galgenlieder]*
Ich wünsche Ihnen allen Gesundheit, Energie, Spaß und Erfolg von Jaguar bis Zehenbär 2009!
* In den Anmerkungen zum Text lässt Morgenstern gleich einen Dr. phil. Jeremias Mueller nörgeln: »Dies Gedicht stört durch die vielen Fremdwörter. Verf. hätte hier besser deutsche Ausdrücke gewählt.«
Frohe Ferientage
Veröffentlicht: 23. Dezember 2008 Einsortiert unter: Alltag, Zeugs Schreibe einen Kommentar »
Ich wünsche allen Federwerk-Leserinnen und -Lesern frohe und erholsame Ferientage mit allem, was dazugehört.
Sollten die Schneeflocken noch fehlen: Die kann man sich bei »Make a flake« selber machen.
In jedem Falle: Lassen Sie es sich gut gehen!
Gelobot sei WordPress
Veröffentlicht: 15. Dezember 2008 Einsortiert unter: Alltag, Computer & Software | Tags: Lektorat Marion Kümmel, Prokrastination, Schreibtrainerin, Textservice, Training, WordPress Schreibe einen Kommentar »Es ist immer wieder erstaunlich, was ich alles erledige, während ich unangenehme Aufgaben (bevorzugt: Steuererklärungen) erfolgreich vor mir herschiebe. Da ich das passige Rechtfertigungsbuch gerade unter Lachtränen gelesen habe, gings nun noch mal so ungeniert.
Seit Langem steht die Überarbeitung meiner Webseite an, deren Tabellenlayout ich 2005 selbst gehäkelt habe. Aber ebenso lange fehlte die Zeit dazu. Auch zwischen den Jahren wird es nichts – also war dieses Wochenende der richtige Zeitpunkt.
Und hier ist das Ergebnis. Die Installation von WordPress funktionierte so einfach wie versprochen. Etwas Zeit brauchte nur die Suche und Einrichtung der richtigen Plugins fürs Taggen und die Datensicherung.
Am aufwendigsten war die Auswahl und Anpassung eines Themes. Nun ist es hell und klar und ohne alle Mätzchen. Im Moment kann man hier Alt und Neu vergleichen. Ein paar Kleinigkeiten werde ich im Laufe der Zeit sicher noch verändern, wenn’s mal wieder was zu verschieben gibt.
Murphys Gesetz für Lektoren
Veröffentlicht: 6. Oktober 2008 Einsortiert unter: Alltag, Fundsachen | Tags: Erin McKean, Fehler, Korrektur, Lektor, Lektorin, Muphry's Law Schreibe einen Kommentar »Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen, sagt Murphy’s Law. Als Anwendung desselben für Lektoren formulierte John Bangsund, ein australischer Lektor, Muphry’s Law. Im Newsletter der Society of Editors schrieb er 1992:
(a) if you write anything criticizing editing or proofreading, there will be a fault of some kind in what you have written;
(b) if an author thanks you in a book for your editing or proofreading, there will be mistakes in the book;
(c) the stronger the sentiment expressed in (a) and (b), the greater the fault;
(d) any book devoted to editing or style will be internally inconsistent.
Das Gesetz kursiert in zahlreichen Versionen mit ebenso vielen verschiedenen UrheberInnen; zum Urvater wurde sogar Ambrose Bierce berufen. Eine griffige Kurzform stammt von der amerikanischen Lexikografin Erin McKean (2001):
Jede Korrektur der Rede oder Schreibe anderer weist selbst mindestens einen Fehler in Grammatik, Orthografie oder Typografie auf.
* Auf die Spur zu Muphry’s Law hat mich dieser Kommentar zum Artikel Fernsehkritik im Bremer Sprachblog gebracht.
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Zum Weiterlesen:
- Muphry’s Law [2008-07-18] in der englischen Wikipedia
Des Federwerkes neue Kleider
Veröffentlicht: 28. September 2008 Einsortiert unter: Alltag | Tags: Blog, Contempt, Federwerk, Flattersatz, Kubrick 1 Kommentar »Heute soll das Federwerk ein neues Kleid bekommen: Kubrick wird gegen Contempt getauscht. Vermisst habe ich bei Kubrick vor allem eine horizontale Leiste mit einem Home-Button. Nicht jeder Blogleser weiß, dass in Blogs der Seitenkopf diese Funktion hat. Insgesamt wird es ein bisschen eckiger, der Header ein bisschen schmaler, der Blocksatz weicht dem Flattersatz. In Kürze werde ich wissen, ob alles passt, wie erhofft …
Eine Stunde später: So weit scheint alles richtig zu sitzen. Nur die Grafiken stehen nicht mehr linksbündig und werden dafür rechts ein bisschen abgeschnitten, sogar das schöne Wordle. Und etwas zu blau ist mir das Ganze noch …
Montag: Ob dies nun das letzte Wort ist, weiß ich noch nicht. Der Zeilenabstand ist sehr klein und die Kommentare sind (am Mac jedenfalls) nur mit Zoom gut lesbar …
Erste Hilfe: Zoom im Browser mit Tastenkombination
»Apfel Plus«; »Apfel Minus«; zurück mit »Apfel-0«;
unter Windows: STRG statt Apfel
Wie beauftrage ich einen Lektor?
Veröffentlicht: 21. Juli 2008 Einsortiert unter: Alltag, Freiberuflichkeit | Tags: Anfrage, Diplomarbeit, Dissertation, Lektor, Lektorat, Lektorat Marion Kümmel, Promotion 2 Kommentare »Sehr geehrte Frau K.,
ich bräuchte schnellstmöglich ein Lektorat für meine Diplomarbeit. […]
So beginnt eine E-Mail, die ich heute Morgen erhalten habe. Von einer jener Spaßmailadressen, die weder einen Absender noch eine Institution erkennen lassen. Weitere Kontaktdaten fehlen. Keine Details, kein Abgabetermin. Dafür ist die Datei der Diplomarbeit gleich angehängt, in einem Format, das ich nicht kenne.
Eine erste Anfrage per Mail beantwortet im Idealfall folgende Fragen:
- Was sind Thema (bzw. Fachgebiet) und Zweck (Diplomarbeit, Magisterarbeit, Dissertation, Buchpublikation …) des Textes?
- Welchen Umfang (bitte Zeichenzahl inkl. Leerzeichen) wird die Arbeit ungefähr haben?
- Wann können Sie den gesamten Text zur Verfügung stellen und in welcher Form (Datei, Ausdruck)?
- Welche Leistungen möchten Sie in Anspruch nehmen?
- Welche Termine sind zu berücksichtigen?
- Sorgen Sie für Erreichbarkeit, mindestens mit einer Telefonnummer.
Auch wenn es blitzbrandeilig ist: Schicken Sie keine Anhänge, wenn das nicht abgesprochen ist. Ich jedenfalls öffne keine unverlangt verschickten Dateien fremder Absender.
Wie geht es dann weiter?
Wenn Thema und Termin für mich möglich sind, werde ich Sie um eine Textprobe bitten. Jetzt können wir Details abstimmen und ich werde Ihnen auf dieser Grundlage ein Angebot machen. Wenn Sie mit dem Angebot einverstanden sind, schicken Sie mir das unterschriebene Formular für den Auftrag zurück. So viel Zeit muss sein. Und dann kann es losgehen.
Pi mal Daumen sollten Sie eine Woche Bearbeitungszeit für das Lektorat einer Qualifikationsarbeit einplanen. Ebenso viel Zeit benötigen Sie dann noch einmal, um die vorgeschlagenen Änderungen zu prüfen und zu übernehmen und um die Arbeit technisch fertigzustellen.
Ob Schnellschüsse wie der oben beschriebene auch ihr Ziel erreichen, weiß ich natürlich nicht. Vielleicht hatte ja zufällig jemand auf der Stelle Zeit für ein schnellstmögliches Lektorat …
Der Charme des Webfehlers
Veröffentlicht: 1. Juni 2008 Einsortiert unter: Alltag, Wortschätze | Tags: Alltag, Fehler, Lektorat, Neuwort 1 Kommentar »Wenn Kritiker in einem Buch Fehler bemerken, ist im Zweifel immer das Lektorat schuld. Andererseits: Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob eine Korrektur dem Text nicht eine charmante Lücke nimmt, durch die etwas Eigenes weht.
In einem Romanmanuskript zum Beispiel schmachtet der Midlifecrisis-gebeutelte Held eine Studentin an, deren Kleid ihn völlig aus der Fassung bringt, weil der »Rückenausschnitt bis zur Bandscheibe« reicht. Ein »windschlüpfriges Auto« hätte sie vielleicht beeindrucken können, das aber stammt aus einem anderen Text. Ebenso wie der blickige Kommissar, dem schon im ersten Kapitel schwant, dass seine neue Bekannte »etwas im Busche führt«.
Manche der Schöpfungen haben sogar das Zeug zum Neuwort: Ein Doktorand erklärte in seiner Arbeit, was seine schlauen Grafiken jeweils »veranschlaulichen« sollen. Dieses Beutewort habe ich nach der Korrektur umgehend adoptiert.
Von den Hopi und den Navajo sagt man, dass sie in eine Ecke ihrer Teppiche stets einen Fehler weben, damit der Geist durch die Lücke hindurchwehen könne. Aber eben nur einen einzigen, sorgsam platzierten Webfehler.
Ein Manuskript, tatsächlich
Veröffentlicht: 14. März 2008 Einsortiert unter: Alltag | Tags: Handschrift, Manuskript, Medien Schreibe einen Kommentar »Eben habe ich gelernt, dass es das tatsächlich noch gibt: im Wortsinn mit der Hand geschriebene Manuskripte.
Ein Autor fragte telefonisch nach einem Angebot für eine Textredaktion. Wie üblich bat ich ihn, mir ein paar repräsentative Seiten per Mail zu schicken, damit ich ihm ein verbindliches Angebot machen könne.
»Haben Sie eine Faxnummer?«
»Nein, aber eine Datei lässt sich doch besser verschicken. Ich kann die Anmerkungen zur Redaktion ja dennoch von Hand machen, wenn Ihnen das lieber ist, und als PDF-Scan zurückschicken.«
»Die Datei ist bei der Setzerin, ich habe hier nur einen Stapel Papier …«
»???«
Nachdem ich noch eine Weile begriffsstutzig war, hat er mir dann auseinandergesetzt: »Ich bin noch ganz von der alten Schule. Ich schreibe hier mit meinem Montblanc auf Papier. Und um alles andere kümmert sich meine Setzerin.«
Ich war einfach davon ausgegangen, alle Berufsschreiber hätten den hier beschriebenen Medienwandel – mit allen Vor- und Nachteilen – längst vollzogen und könnten wie ich gerade noch einen Notizzettel per Hand bekritzeln.
Kurse zur reformierten Rechtschreibung
Veröffentlicht: 14. März 2008 Einsortiert unter: Alltag, Weiterbildung | Tags: Rechtschreibung, Rostock, Schulung, Weiterbildung Schreibe einen Kommentar »In Rostock läuft die Anmeldung für folgende Kurse zur reformierten Rechtschreibung:
Der Basiskurs (Beginn am 2. April) richtet sich an Interessenten, die sich die aktuelle Rechtschreibung in allen Bereichen schnell und gründlich aneignen wollen. Programm und Anmeldung hier.
Ein verkürzter Kurs (Beginn am 19. Mai) konzentriert sich vor allem auf die Bereiche des amtlichen Regelwerkes, die 2006 noch einmal verändert worden sind. Programm und Anmeldung hier.
Die beiden Themen biete ich zum vorerst letzten Mal als offene Kurse an. Schulungen für Einzelpersonen oder Firmen vereinbare ich auf Nachfrage natürlich weiterhin gern. Mehr Infos …


