Anstalten machen

Und was für welche. Ab Montag können schlingernde Banken Staatshilfe beantragen. Bei der neu geschaffenen

Finanzmarktstabilisierungsanstalt.

(33 Buchstaben)

Das war im Herbst. Und schon zum Frühjahrsbeginn 2009 gibt es ein

Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetz

(42 Buchstaben) für die Banken, denen nicht zu helfen ist.

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Online-Wörterbücher von PONS

Der Storyblogger berichtet, dass der Verlag mit den grünen Wörterbüchern unter pons.eu einige davon online gestellt hat. In der Beta-Version kann man für 5 (Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Polnisch) von 23 EU-Amtssprachen die Herübersetzung ins Deutsche sowie die Hinübersetzung aus dem Deutschen in die Fremdsprache nachschlagen.

Bei Wörterbüchern hat die Zukunft des Buches längst angefangen. Ich jedenfalls bevorzuge die digitalen Versionen, egal ob online oder offline. Hier werden vermutlich bald nur noch die alten Bezeichnungen wie »Wörterbuch« oder »nachschlagen« daran erinnern, dass man dafür einst gedruckte Bücher gewälzt hat.
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Links zur germanistischen Sprachwissenschaft

Eine umfangreiche Sammlung mit Links zur germanistischen Linguistik (Sprachwissenschaft) wird auf der Webseite der Uni Erfurt gepflegt. Nicht nur für Sprachwissenschaftler interessant sind zum Beispiel die Links zu den Themen:

  • Wortschatz (Onlinewörterbücher)
  • Deutsche Varietäten (Dialektwörterbücher online)
  • Sprachwissenschaftliche Institutionen
  • Sprachpflege (auch historische Vereine)
  • Sprachberatung

(gefunden beim Sprachbloggeur)

Nachtrag [9. Dez. 2009]: Die Linksammlung ist umgezogen an die Uni Würzburg.


Woxikon: Synonyme und Antonyme finden

Wer schreibt, lektoriert oder sonst mit Texten arbeitet, weiß ein gutes Wörterbuch für Synonyme (bedeutungsähnliche Wörter) zu schätzen, um variabel und treffend zu formulieren. Heute fand ich hier den Hinweis auf das Woxikon, ein Mitmachprojekt aus Tangermünde in der Altmark. Laut eigener Aussage umfasst das Online-Wörterbuch zurzeit bereits über 200.000 Synonyme und Antonyme (Gegenwörter).

Nach einem ersten Test hat das Woxikon ein Plätzchen auf meiner Lesezeichenleiste bekommen. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Wie stets bei Inhalten, die von Nutzern bereitgestellt werden, verlässt man sich für die Rechtschreibung im Zweifel besser auf andere Quellen. Damit lässt sich ja leben. Für Firefox gibt es sogar eine Erweiterung OpenSearchFox für das Suchfeld (habe ich noch nicht getestet).

Eigentlich bin ich seit Jahren eine berufliche Dauernutzerin der digitalen Office-Bibliothek. Hier kann ich komfortabel viele (alle verfügbaren) Wörterbücher der Duden-Reihe gleichzeitig unter derselben Oberfläche nutzen. Ich schätze neben den zuverlässigen Wörterbüchern auch die Volltextsuche und viele andere Funktionen.

Seit fast einem Jahr gilt das leider nur noch eingeschränkt. Seitdem lässt sich in meiner Installation kein Synonymwörterbuch mehr hinzufügen. Zudem brachte das Update vom August 2007 neben anderen Ärgernissen eine Einschränkung der Funktionalität unter Mac OS X: Markierungen und eigene Wörterbücher sind (vorerst?) nicht mehr möglich. Aber das ist eine andere Geschichte …


Der Sprachverfall fällt aus

Der Verfall der deutschen Sprache wird mindestens seit der Romantik befürchtet, als man sie dem Greisenalter nahe sah. Nicht zuletzt deshalb haben die Brüder Grimm Zeugnisse älterer Sprachstufen gesammelt. Und wie steht es heute um das Deutsche? Ständig kommen neue Wörter mit Migrationshintergrund hinzu, in SMS grassiert der Aküfi, ins Internet schreibt auch jeder, wie er will …

Prof. Rudi Keller, Germanist an der Uni Düsseldorf, sagt dazu im Interview mit der Süddeutschen Zeitung:

Seit 2000 Jahren ist literarisch belegt, dass Menschen sich über den Sprachverfall Gedanken machen. Und doch hat noch kein Mensch jemals eine verfallene Sprache vorführen können – so etwas scheint es nicht zu geben. […] Meine generelle These ist, dass das, was Menschen aus ihrem begrenzten Blickfeld heraus als Sprachverfall wahrnehmen, im Wesentlichen nichts anderes ist als der ganz normale Sprachwandel.

Die Sorge um den Sprachverfall ist also doppelt so alt wie die deutsche Sprache selbst. Bisher hat vielfältiger Gebrauch sie immer wieder flexibel den Bedürfnissen ihrer Nutzer angepasst. Man stelle sich vor, wir wollten in der Sprache Goethes das Funktionieren eines Blogs oder die Bedienung eines Geldautomaten erklären.

Die Sprache als Ganzes nimmt dabei auch dann keinen Schaden, wenn nicht jeder einzelne Problembär Sprecher oder Schreiber sie auf höchstem Niveau benutzt. Auch zur Goethezeit überwogen jede Menge gesprochene und geschriebene Alltagstexte und empfindsame Romane, nicht die sprachliche Hochkultur. Und nur etwa jeder dritte Deutsche konnte lesen und schreiben.

Selbst eine Sprache, der die Sprecher und Schreiber ausgingen, würde nicht verfallen, sondern aussterben (vgl. Nachruf auf eine Sprache). Gelänge es den Nörglern und Aktionisten, die Sprache in einem bestimmten Zustand zu konservieren, verkäme sie auf Dauer zum folkloristischen Spielzeug. Aber auch dafür gibt es keinen Beleg. Denn wer will schon mit einem Geh-Kaffee zu »Beischlaf und die Großstadt« ins Lichtspielhaus gehen, um später darüber zu netzplaudern.

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Zum Weiterlesen, mit vielen Beispielen zur Entwicklung von Wortschatz und Grammatik: R. Keller »Ist die deutsche Sprache vom Verfall bedroht?« (hier als PDF-Datei, via).
[Nov. 2008: Der Download ist leider nicht mehr verfügbar.]


Der Charme des Webfehlers

Wenn Kritiker in einem Buch Fehler bemerken, ist im Zweifel immer das Lektorat schuld. Andererseits: Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob eine Korrektur dem Text nicht eine charmante Lücke nimmt, durch die etwas Eigenes weht.

In einem Romanmanuskript zum Beispiel schmachtet der Midlifecrisis-gebeutelte Held eine Studentin an, deren Kleid ihn völlig aus der Fassung bringt, weil der »Rückenausschnitt bis zur Bandscheibe« reicht. Ein »windschlüpfriges Auto« hätte sie vielleicht beeindrucken können, das aber stammt aus einem anderen Text. Ebenso wie der blickige Kommissar, dem schon im ersten Kapitel schwant, dass seine neue Bekannte »etwas im Busche führt«.

Manche der Schöpfungen haben sogar das Zeug zum Neuwort: Ein Doktorand erklärte in seiner Arbeit, was seine schlauen Grafiken jeweils »veranschlaulichen« sollen. Dieses Beutewort habe ich nach der Korrektur umgehend adoptiert.

Von den Hopi und den Navajo sagt man, dass sie in eine Ecke ihrer Teppiche stets einen Fehler weben, damit der Geist durch die Lücke hindurchwehen könne. Aber eben nur einen einzigen, sorgsam platzierten Webfehler.


Unwort des Jahres 2007 gewählt

Die »Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres« hat soeben ihre Wahl bekannt gegeben:

Das »Unwort des Jahres« 2007 heißt »Herdprämie«. »Das Wort diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen«, sagte der Sprecher der sechsköpfigen unabhängigen Jury, Horst Dieter Schlosser, am Dienstag in Frankfurt.

Anwärter für den Titel waren wie jedes Jahr von Bürgern vorgeschlagene »[…] Wörter und Formulierungen aus der öffentlichen Sprache, die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen«. Mein Favorit aus der reichen Auswahl an Kandidaten war daher die »grundrechtsschonende Überwachungspraxis«.

Die Liste mit den Unwörtern und jeweils einigen weiteren Anwärtern aus den Jahren 1991 bis 2006 findet man hier und auf der Seite der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) Wiesbaden.


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