Eigennamen und Rechtschreibung

Die Möwen können wir ruhig alle Emma nennen. Aber sonst ist man mit Eigennamen besser eigen. Manche Person legt Wert auf eine bestimmte Aussprache. Und auch bei der Schreibung kommt’s drauf an: Meyer mit Ypsilon? Schmidt mit Dete? Die falsche Schreibung kann im Zweifel ein K.-o.-Kriterium für einen Text sein.

  1. Grundsätze der Schreibung von Eigennamen
  2. Buchstabe für Buchstabe
  3. Schreibungen mit Bindestrich
  4. Groß- und Kleinschreibung

1. Grundsätze der Schreibung von Eigennamen

Bei Eigennamen haben die Rechtschreibregeln eher den Charakter von Faustregeln: Sie gelten häufig, aber mit vielen Ausnahmen. Das betrifft Namen von Institutionen, Vereinigungen, Firmen, Produkten und Marken ebenso wie Titel von Zeitungen und Zeitschriften oder Fernsehsendungen, geografische Namen oder Namen von Straßen oder Plätzen.

In der »Amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung« (PDF) von 2006 finden sich daher wiederholt ergänzende Hinweise wie dieser:

Für Eigennamen (Vornamen, Familiennamen, geografische Eigennamen und dergleichen) gelten im Allgemeinen amtliche Schreibungen. Diese entsprechen nicht immer den folgenden Regeln.

(In: Amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung, A Laut-Buchstaben-Zuordnungen, Vorbemerkungen, 3.2)

Für die hier gemeinten »amtlichen Schreibungen« ist nicht die »amtliche Rechtschreibung« (und auch nicht der Duden oder ein anderes Wörterbuch) zuständig, sondern:

  • Amtliche Einträge für Personennamen enthalten die örtlichen Personenregister (bis 2008 Personenstandsbücher) beim Standesamt, die sogar amtlichen Hör- und Tippfehlern Gültigkeit verleihen.
  • Amtlich sind Firmen- und Markennamen, wenn sie ins Handelsregister bzw. ins Markenregister beim Deutschen Patent- und Markenamt in München eingetragen sind.
  • Für die Standardisierung geografischer Namen ist im deutschsprachigen Raum der Ständige Ausschuss für Geographische Namen (StAGN) zuständig.

Für alle, die beruflich schreiben, korrigieren oder lektorieren, heißt das: Da Rechtscheibregeln für Eigennamen nur bedingt gelten, sind sie in jedem einzelnen Fall zu prüfen.

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2. Eigennamen: Buchstabe für Buchstabe

Eigennamen bewahren häufig alte Laut-Buchstaben-Beziehungen, z. B. in Schreibungen mit th, c und y (Theodor, Thalbach, Clausthal, Bayern), die 1901 in deutschen Wörtern abgeschafft wurden. Sie konservieren auch noch ältere Schreibungen (Lohff, Rhein, Wieck, Woldegk, Loids, Ueckermünde).

Das ist eine Konvention, die auch im deutschen Sprachraum nicht immer galt. Als in der Goethezeit die heutigen Umlautbuchstaben ä, ö, ü die bisherigen ae, oe, ue bzw. die Varianten mit dem darübergesetzten e langsam ersetzten, schrieb man zum Teil auch Göthe. Auf der anderen Seite verteidigte der Vater der Germanistik Jacob Grimm das c in seinem Vornamen, das er in deutschen Wörtern für überflüssig hielt.

Da die Eigennamen heute ihren eigenen Festlegungen folgen, sind sie von Regeländerungen und Reformen in der Rechtschreibung nicht betroffen. Die Litfaßsäule behält ihr Eszett, weil Litfaß ein Personenname ist. Der Darß und die Gemeinde Schorssow schreiben sich weiterhin so eigenwillig.

Mancherorts hat man bei schwankendem Schreibgebrauch die regelgemäße Schreibung vorgezogen: Im Jahr 2003 hat das Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum Rostock einen Umzug genutzt, um seinem Namen ein weiteres f hinzuzufügen und die Diskussion um Rechtschreibung und Namensrecht zu beenden. Die Stadt Saßnitz hat sich 1993 (d. h. vor der Reform) für die Variante Sassnitz entschieden, die der neuen S-Schreibung (zufällig?) entspricht.

Aber auch das Gegenteil ist möglich: Das Ostseebad Thießow hat 1995 seine Schreibung sogar gegen alte und neue Regeln zu Thiessow geändert. Man gönnt sich ja sonst nichts.

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3. Schreibungen mit Bindestrich

Für Eigennamen gelten die Rechtschreibregeln nur, wenn nicht im Einzelfall etwas anderes festgeschrieben ist. Häufig ist das inzwischen auch in der Getrennt- und Zusammenschreibung und besonders beim Bindestrichgebrauch der Fall.

[…] Die Schreibung mit Bindestrich bei Eigennamen entspricht nicht immer den folgenden Regeln, so dass nur allgemeine Hinweise gegeben werden können. Zusammensetzungen aus Eigennamen und Substantiv zur Benennung von Schulen, Universitäten, Betrieben, Firmen und ähnlichen Institutionen werden so geschrieben, wie sie amtlich festgelegt sind.

(In: Amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung, C Schreibung mit Bindestrich, Vorbemerkungen, 2)

Nach den »Faustregeln« (§§ 46–52 des Regelwerkes) schreibt man: Eva-Maria, Herr Müller-Lüdenscheidt, Graal-Müritz, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Thomas-Müntzer-Platz, Ingeborg-Bachmann-Preis.

Daneben gelten die amtlichen Einträge mit abweichenden Bindestrich­schreibungen, zum Beispiel: Robert Koch-Institut, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (seit 2008 bevorzugt: Goethe-Universität Frankfurt am Main), Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Hierher gehören auch die Schreibungen ganz ohne Bindestriche wie in den Ortsnamen Kirch Rosin, Raben Steinfeld. Bereits seit einigen Jahrzehnten werden sie immer häufiger: Störtebeker Festspiele Ralswiek, Meyer Werft GmbH. Fast alle Verlage schreiben sich so: Suhrkamp Verlag, Wallstein Verlag; auch der Aufbau-Verlag wurde inzwischen zum Aufbau Verlag. Der Dudenverlag schreibt sich auch nach seinem Umzug nach Berlin zusammen.

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4. Groß- und Kleinschreibung

Die Faustregel: Das erste Wort eines Eigennamens wird immer, alle weiteren Bestandteile mit Ausnahme von Artikeln, Präpositionen und Konjunktionen großgeschrieben: Carl von Ossietzky, Unter den Linden, Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren.

E2: In einigen der oben genannten Namengruppen kann die Schreibung im Einzelfall abweichend festgelegt sein […]

(In: Amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung, D Groß- und Kleinschreibung, 2.3 Eigennamen …, E2)

Auch hier gilt es also, im Zweifelsfalle die genaue Schreibung zu recherchieren: Das Spektrum reicht von Kleinschreibung (taz, konkret, heute) über Binnengroßschreibungen (EuroSpeedway Lausitz, OstseeJazz) bis zu Versalschreibungen (AIDA Cruises).

Mitunter werden Moden bis über die Schmerzgrenze strapaziert, ohne dass dies einen Vorteil für die Lesbarkeit, grafische Gestaltung oder wenigstens für die Werbung hat. Das führt zu Schreibungen wie: NaturErlebnisZentrum Müritzeum, DanGastQuellbad in Dangast, NaturThermeTemplin …

Als Schreiber orientiert man sich am besten daran, wie der Namensträger selbst schreibt. Gibt es auch dort Unentschiedenheit, wurde mal wieder bei Textgestaltung und Lektorat gespart.

(Dieser Beitrag ist die Zusammenfassung und Aktualisierung einer Artikelserie, die 2008 auf Federwerk.de erschien.)

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PS: Im Lektorat für Unternehmenskommunikation und Werbung achte ich auf die konsistente Beachtung Ihrer Hausregeln und unterstütze Sie bei der Erarbeitung von Leitfäden für die Unternehmenssprache (Corporate Wording, Corporate Language).


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Über Marion Kümmel

Marion Kümmel ist freie Lektorin und Federwerkerin. Seit 2001 übernimmt sie Textdienstleistungen für Publikumsverlage, Agenturen, Firmen und Autoren. Sie redigiert Sachbücher und Fachtexte, wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie Texte aus Unternehmenskommunikation und Werbung. Ihre Texterfahrungen vermittelt sie in Vorträgen und Schulungen.

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  1. […] – bei denen die Rechtschreibung ja oft außer Kraft gesetzt ist (vgl. Federwerk: Eigennamen und Rechtschreibung). Hinzu kommt: Diese Fehler bemerkt auch ein ansonsten rechtschreibschwacher […]

  2. […] sind Eigennamen, sie müssen also der amtlichen Rechtschreibung nicht folgen. Ihre Schreibung richtet sich nach dem […]

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