Sparschreibungen für Paarformen – Sie haben die Wahl

In Sachtexten aller Art wird noch viel zu oft die sogenannte Generalklausel (Legitimationsformel) bemüht. Danach wird auf die gleichzeitige Verwendung weiblicher und männlicher Personenbezeichnungen verzichtet, Frauen seien aber »selbstverständlich mitgemeint«. Es gibt jedoch stets eine lesbare Möglichkeit zum geschlechtergerechten bzw. gendergerechten Sprachgebrauch, der Frauen und Männer sprachlich angemessen berücksichtigt.

Neben genderneutralen Bezeichnungen (Fachleute, Textprofis, Führungs­personen) werden häufig sogenannte Paarformen (Teilnehmerinnern und Teilnehmer) verwendet.

Schreibgebrauch

Zu den Zweifelsfällen der deutschen Rechtschreibung gehört die Frage, wie diese Paarformen verkürzt geschrieben werden können, ohne gegen Rechtschreib­regeln zu verstoßen. Im Schreibgebrauch finden sich diese Varianten:

  • Langform: die Schreiber und Schreiberinnen, Schreiber/Schreiberinnen
  • Schrägstrich und Ergänzungsstrich: die Schreiber/-innen
  • Schrägstrich: die Schreiber/innen
  • Binnen-I: die SchreiberInnen
  • Sternchen: die Schreiber*innen
  • Gendergap: die Schreiber_innen
  • Alternative: die Schreibenden

Die amtliche Regelung

Das amtliche Regelwerk der Rechtschreibung (Stand: Juni 2017) führt die Vollform als eine Verwendungsweise für den Schrägstrich im Abschnitt Zeichensetzung auf:

Mit dem Schrägstrich kennzeichnet man, dass Wörter (Namen, Abkürzungen), Zahlen oder dergleichen zusammengehören.
Dies betrifft

(1) die Angaben mehrerer (alternativer) Möglichkeiten im Sinne einer Verbindung mit und, oder, bzw., bis oder dergleichen:
die Schüler/Schülerinnen der Realschule […]

(Amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung, § 106)

Wird in Aufzählungen ein gleicher Bestandteil ausgelassen, so wird das grafisch mit einem Ergänzungsstrich angezeigt (§ 98). Es sind nur Beispiele angeführt, die mit und verbunden sind (Verkehrslenkung und -überwachung), die Schreibung mit Schrägstrich und Ergänzungsstrich (Schüler/-innen) kann aus den beiden Regeln abgeleitet werden.

Was sagt der Rechtschreibrat?

Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist seit 2004 die maßgebende Instanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung. Er gibt das amtliche Regelwerk heraus und ist mit der Beobachtung und Weiterentwicklung der Rechtschreibung und der Klärung von Zweifelsfällen beauftragt.

In seinem 3. Bericht (2016) heißt es:

[…] Verkürzte Paarformen werden aus sprachökonomischen Gründen anstelle der expliziten Formen in allen Textsorten inkl. amtlicher Dokumente verwendet. Dabei kommen neben der Schreibung mit (Schüler/-innen) und ohne Ergänzungsstrich (Schüler/innen) auch u. a. Formen mit Binnen-I (SchülerInnen), Gendergap (Schüler_innen) oder Sternchen (Schüler*innen) vor. Sie stellen typographische Auszeichnungsschreibungen dar. Als solche liegen sie außerhalb der orthographischen Norm und sind daher nicht »falsch« zu nennen. Ihr Ausgangspunkt ist in der Schreibung mit Schräg- und Ergänzungsstrich zu sehen, die das amtliche Regelwerk bei konservativer Auslegung nahelegt (wie z. B. in Schüler/-innen).

(3. Bericht des Rats für deutsche Rechtschreibung, Seite 23)

Praxistipp

Als amtliche und in jedem Fall normgemäße Schreibung für Paarformen ist (neben der Vollform mit und) die Schreibung mit Schrägstrich und Ergänzungsstrich anzusehen. Sie ist die neutrale oder unauffällige Grundform, die mit breiter Akzeptanz in der Sprachgemeinschaft rechnen kann. Daneben können Sie eine der genannten graphostilistischen Varianten in Abhängigkeit von Textsorte, Aussageabsicht und Leserschaft wählen. Das Lektorat wird darauf achten, dass in einem Text nur eine der möglichen Varianten durchgehend verwendet wird.

Und: Der Hinweis auf die amtliche Rechtschreibung ist nicht als Begründung geeignet, um die angemessene Nennung von Frauen und Männern in der geschriebenen Sprache zu unterlassen.

Quellen:


Zum Weiterlesen:

Über Marion Kümmel

Marion Kümmel ist freie Lektorin und Federwerkerin. Seit 2001 übernimmt sie Textdienstleistungen für Publikumsverlage, Agenturen, Firmen und Autoren. Sie redigiert Sachbücher und Fachtexte, wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie Texte aus Unternehmenskommunikation und Werbung. Ihre Texterfahrungen vermittelt sie in Vorträgen und Schulungen.

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