»Schwere« Satzfehler und ihre Korrektur

Aus dem Bleisatz stammen zwei wichtige Regeln für den Seiten- bzw. Spaltenumbruch:

  1. Die letzte (meist kürzere) Zeile eines Absatzes darf nicht am Anfang einer Seite oder Spalte stehen, da sie den Satzspiegel stört.
  2. Die erste Zeile eines Absatzes (die oft mit einem Einzug beginnt) oder eine Überschrift darf nicht am Ende einer Seite oder Spalte stehen.

Der »Duden Satz und Korrektur« (Mannheim 2003, S. 228) nennt Verstöße dagegen »besonders schwere Satzfehler«. Während die erste Regel im professionellen Satz stets befolgt werden sollte, wendet man die zweite nur bei Überschriften noch grundsätzlich an, bei Absätzen wird der Verstoß oft toleriert.

In Satzprogrammen hilft heute die »Absatzkontrolle« dabei, die Regeln einzuhalten; sogar Textverarbeitungen verfügen inzwischen über diese Funktion. Tritt ein Fehler dennoch auf, ergeben sich zwei Fragen: Wie benennt man ihn? Von wem bzw. mit welchen Mitteln wird er behoben? Weiterlesen →

Der Kommentar des Korrektors

Weil er sich eines Kommentars nicht enthalten hat, muss der Korrektor einer chinesischen Zeitung eine Geldstrafe von umgerechnet 114 Euro zahlen, der verantwortliche Redakteur 57 Euro.

Ein Korrektor hatte die Bemerkung »so eine Arschkriecherei« in das Manuskript geschrieben – genervt von der Lobhudelei eines Nachwuchsreporters über Parteifunktionäre, der getextet hatte: »So hohe Führer zu sehen, begeisterte alle.«

Der Setzer konnte mit der »Arschkriecherei«-Notiz nichts anfangen – und baute den Satz um. Daraus wurde die Formulierung, die dann gedruckt wurde: »So eine Arschkriecherei begeistert mich wirklich.« (Quelle: SpOn)

Fast hätte ich gesagt: Das ist ja noch mal glimpflich abgegangen für chinesische Verhältnisse. Das war ihnen der Spaß sicher wert. Leider unterlässt es SpOn zu erwähnen, dass 114 Euro für einen chinesischen Stadtbewohner fast einem durchschnittlichen Jahreseinkommen (135 Euro im Jahr 2007) entsprechen. Peinliche Panne.