Duden Rechtschreibung in 27. Auflage erschienen – Was ist neu?

Duden 1 (2017)

Duden 1. Die deutsche Rechtschreibung: Das umfassende Standardwerk auf der Grundlage der amtlichen Regeln. 27. Auflage, Berlin 2017.*

Seit dem 9. August 2017 liegt »der Duden« (Band 1 der Duden-Reihe) in der 27. Auflage vor und ersetzt die 26. Auflage von 2013. Er nimmt die Änderungen der amtlichen Regelung der Rechtschreibung vom Juni 2017 auf und setzt sie im aktualisierten Wörterverzeichnis um. Wer beruflich schreibt, wird sich die Änderungen im Detail ansehen.

Neues in der Rechtschreibung

Im Dezember 2016 hatte der Rat für deutsche Rechtschreibung seinen 3. Bericht (nach 2006 und 2010) für die Periode von 2011 bis 2016 vorgelegt. Seit Juni 2017 enthält das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung (PDF) entsprechende Änderungen, die der Entwicklung des Schreibgebrauchs folgen:

  1. Die Regeln für feste Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv wurden neu gefasst.
  2. Der Großbuchstabe für das Eszett wurde in das Buchstabeninventar aufgenommen.
  3. Einige Schreibvarianten wurden dem Schreibgebrauch angepasst.

Im Folgenden wird stets erst die Veränderung der amtlichen Rechtschreibung charakterisiert, anschließend die Umsetzung im Duden.

1. Feste Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv

Die beiden Paragrafen für diesen Bereich (§ 63 und § 64) wurden im amtlichen Regelwerk neu formuliert und unter § 63 ausgearbeitet; in einigen Fällen wurden Schreibvarianten ergänzt.

Feste Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv, die eine begriffliche Einheit bilden, werden bei wörtlichem Gebrauch (die absolute Mehrheit, der freie Mitarbeiter) und bildhaftem Gebrauch (der blinde Passagier, der rote Teppich) in der Regel weiterhin kleingeschrieben.

Groß- und Kleinschreibung des Adjektivs sind möglich, wenn die Fügung eine neue Gesamtbedeutung annimmt (der runde/Runde Tisch) oder die Fügung fachsprachlich oder terminologisch verwendet wird (der goldene/Goldene Schnitt, der letzte/Letzte Wille, die mittlere/Mittlere Reife). Fachsprachen machen von dieser Möglichkeit unterschiedlichen Gebrauch; hier wird auf das Wörterverzeichnis verwiesen.

Das Adjektiv wird wie bisher großgeschrieben bei Titeln-, Ehren- und Amtsbezeichnungen (der Regierende Bürgermeister), bei offiziellen sowie kirchlichen Feier- und Gedenktagen (der Erste Mai, der Heilige Abend). NEU: Es kann großgeschrieben werden bei Funktions­bezeichnungen (der technische/Technische Direktor) und Benennungen für besondere Anlässe und Kalendertage (die goldene/Goldene Hochzeit, das neue/Neue Jahr).

In Fällen, wo der Schreibgebrauch seit Langem schwankend ist, sind nun häufiger Groß- und Kleinschreibung möglich. Im Einzelfall werden Schreibende für diesen Bereich besser das Wörterverzeichnis nutzen, um eine Entscheidung zu treffen.

Die entsprechende Dudenregel (D 89) ist überarbeitet. Das Wörterverzeichnis führt alle Varianten an, die das amtliche Regelwerk zulässt, und empfiehlt auch hier jeweils eine Variante: die Mittlere Reife (neu), technischer Direktor, die goldene Hochzeit (wie bisher), das neue Jahr (wie bisher).

2. Aufnahme des Großbuchstabens ẞ

Die Verwendung von ẞ bei Schreibung in Großbuchstaben (Versalien) ist nach amtlicher Regelung (§ 25 E3) nun möglich; Grundform bleibt (vorerst) der Ersatz durch SS. Das große Eszett ist insbesondere für den maschinenlesbaren Satz von Namen in Pässen und Ausweisen wichtig und wurde bei dem heute verbreiteten Einsatz von Versalien für die Auszeichnung (Hervorhebung) von Textteilen (besonders Überschriften) häufig vermisst.

GROSSE WASSERSTRASSE – GROẞE WASSERSTRAẞE

Der Duden führt in Dudenregel 160 die fakultative Verwendung des Großbuchstabens an. Für Namen in Dokumenten wird zusätzlich die Möglichkeit genannt, aus Gründen der Eindeutigkeit im Versalsatz das kleine Eszett als Ersatz zu verwenden. Das entspricht nicht der amtlichen Regelung, aber der geübten Praxis in Ämtern.

3. Einzelschreibungen im Wörterverzeichnis

Varianten bei der Schreibung einzelner Fremdwörter

Wie bereits nach dem 2. Bericht der Rechtschreibrats (2010) wurden einige Schreibvarianten für Fremdwörter, die sich im Schreibgebrauch nicht oder kaum wiederfinden, gestrichen. Bei den folgenden Wörtern gelten in Zukunft nur noch diese Schreibungen:

Anchovis, Belcanto, Bravour, bravourös, Kampagne, Frottee, Grizzlybär, Yoga, Jockey, Calvinismus, Canossa(gang), Cargo, Ketchup, Collier, Kommuniqué, Komplize, Mayonnaise, Mazurka, Negligé, Necessaire, passé, Racket, Roulette, Varieté, Vandalismus

Alle diese Schreibungen entsprechen der Form, die der Duden schon bisher bevorzugt und empfohlen hat. Wenn Sie also bislang nach Duden-Empfehlung geschrieben haben, ändert sich hier nichts.

Zusätzliche Schreibungen werden zulässig neben der (zuerst genannten) bisherigen Schreibung bei:

Kanapee/Canapé, Entree/Entrée, Pralinee/Praliné, Soiree/Soirée

Die Duden-Empfehlung (fett) entspricht mit einer Ausnahme der bisherigen Schreibung.

Schreibungen mit bislang nationalem Geltungsbereich (Schweiz, Österreich) werden allgemein zulässig:

Büfett/Buffet, Kasino/Casino, Vademekum/Vademecum

Co-/Ko- sowie Ex- in Bildungen mit Personenbezeichnungen

NEU: Neben die bisher allein zulässige Schreibung Ko- tritt amtlich die Variante Co-. Die Schreibungen mit (Verdeutlichungs-)Bindestrich, die bisher schon möglich waren, wurden ausdrücklich in das amtliche Wörterverzeichnis aufgenommen:

Coautor/Co-Autor neben Koautor/Ko-Autor

Duden empfiehlt stets die Schreibung Co- mit Bindestrich, also zum Beispiel: Co-Autorin, Co-Pilot, Co-Produzentin, Co-Regisseur, Co-Trainerin.

Auch für Bildungen von Ex- mit Personenbezeichnungen wurde die optionale Schreibung mit Bindestrich ausdrücklich in das amtliche Wörterverzeichnis aufgenommen:

Exkaiser/Ex-Kaiser

Im Duden wird immer Bindestrich empfohlen: Ex-Frau, Ex-Freund, Ex-Kanzler, Ex-Königin, Ex-Mann, Ex-Ministerin, Ex-Weltmeister. Den Ex-Manager hätte ich gern zusätzlich.

Stichwortauswahl und Regeldarstellung

Verlagsmarketing und Medien betonen vor allem die Neuaufnahme von Stichwörtern (5000 sollen es wiederum sein) und kommentieren Einzelfälle.

Neu in den Duden aufgenommene Wörter

Neue Stichwörter können dabei neu gebildete Wörter (z. B. Brexit, entfreunden, Flexitarier, Filterblase, geschlechtergerecht, postfaktisch, prokrastinieren) oder Entlehnungen (z. B. Alert, Couchsurfing, Darknet, Emoji, Fair Trade, Fake News, Gendergap, Hashtag, Tablet, taggen, queer) sein, aber ebenso Wörter mit einer langen Geschichte, deren Gebrauch aktuell zugenommen hat (z. B. Binnen-I, Lügenpresse). Zum Teil fanden sich diese Wörter schon in Duden 5 (Fremdwörter) oder Duden 9 (Zweifelsfälle). In größerer Zahl wurden wohl auch umgangssprachliche Wörter (z. B. futschikato, Honk, icke, Späti) und Ortsnamen (z. B. Bergisch Gladbach, Hagen, Herne) berücksichtigt. Eigens erfunden wurde das/der Internetblog, Google zeigt allein den Duden-Beleg für das Wort.

Nachtrag (7. Sept. 2017): Im Duden finden sich neben den bislang schon verzeichneten Bundespräsidenten nun auch alle BundeskanzlerInnen: von Adenauer, Konrad (erster dt. Bundeskanzler) bis Merkel, Angela (dt. Bundeskanzlerin, achte Person im Amt). In der Vorauflage steht nur Adenauer.

Michael Mann hat im Lexikographieblog die neuen Stichwörter zusammengestellt, die auf duden.de eingefügt wurden: Der überwiegende Teil sind Zusammensetzungen, die in Rechtschreibung und Bedeutung keine Besonderheiten aufweisen.

Aus Kennzahlen wurden Dudenregeln

Die Duden-eigenen Regeln zu »Rechtschreibung und Zeichensetzung« wurden überarbeitet und im Detail ergänzt. Sie stehen wie bisher alphabetisch geordnet vor dem Wörterverzeichnis. Die gewohnten Kennziffern von K 1 bis K 169 heißen nun Dudenregeln und sind als D 1 bis D 169 gekennzeichnet. In Dudenregel 89 (Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv) und Dudenregel 160 (Eszett) sind die amtlichen Änderungen berücksichtigt.

Print-Duden und Duden-Bibliothek

Während die 26. Auflage 2013 als »Duden hoch drei« im Medienpaket mit digitalem Duden (Duden-Bibliothek) und App erschien, kommt die 27. Auflage als Printversion; die Duden-Bibliothek wird separat zum Download angeboten.

Duden 1. Die deutsche Rechtschreibung: Das umfassende Standardwerk auf der Grundlage der amtlichen Regeln. 27. Auflage, Berlin 2017.*

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Nachtrag (14. Sept. 2017): Kerstin Schuster hat in ihrer Rezension auch die Duden-Bibliothek für die neue Auflage unter die Lupe genommen.


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Über Marion Kümmel

Marion Kümmel ist freie Lektorin und Federwerkerin. Seit 2001 übernimmt sie Textdienstleistungen für Publikumsverlage, Agenturen, Firmen und Autoren. Sie redigiert Sachbücher und Fachtexte, wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie Texte aus Unternehmenskommunikation und Werbung. Ihre Texterfahrungen vermittelt sie in Vorträgen und Schulungen.

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