Studie: Verständlichkeit der Bundesregierung

Häufig wird Parteien und Politikern Unverständlichkeit vorgeworfen. Daher untersuchten Kommunikationswissenschaftler der Universtität Hohenheim Web-Texte der Bundesregierung (aus Kanzleramt und Ministerien) und fragten:

Lässt sich durch eine Optimierung der Webseiten-Texte der Bundesregierung deren Verständlichkeit und damit auch der Kommunikationserfolg der Bundesregierung verbessern?

Die Wissenschaftler setzten eine Software (TextLab) ein, um in ausgewählten Texten die »Problemstellen« aufzufinden. Diese optimierten sie anschließend mit den bekannten Mitteln: verständliche Wörter verwenden, schwer verständliche Begriffe erklären, zu komplexe Satzstrukturen auflösen, logisch strukturieren, Zwischenüberschriften einsetzen …

Im Test selbst haben sie über 200 Testlesern die Originaltexte aus 4 Bundesministerien sowie die optimierten Versionen vorgelegt. Das Ergebnis: Die Originale waren für Leser aus allen Bildungsschichten ähnlich unverständlich. Mit den optimierten Versionen stieg das Verständnis stets messbar (im Extremfall um bis zu 50 %) – ebenfalls für alle Testpersonen.

Studie und untersuchte Texte stehen hier zum Download bereit.

Die Gegenüberstellung der Textbeispiele der Studie ist erhellend, auch wenn das Ergebnis nicht neu ist. Da ließe sich eine ganze Menge tun für die Verständigung mit »dem Bürger«. Am Unvermögen sollte es nicht scheitern – dafür gibt es schließlich Textprofis. Woran also dann?

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Zum Weiterlesen:

Über Marion Kümmel

Marion Kümmel ist freie Lektorin und Federwerkerin. Seit 2001 übernimmt sie Textdienstleistungen für Publikumsverlage, Agenturen, Firmen und Autoren. Sie redigiert Sachbücher und Fachtexte, wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie Texte aus Unternehmenskommunikation und Werbung. Ihre Texterfahrungen vermittelt sie in Vorträgen und Schulungen.

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Kommentare

  1. »Manches sollen die Menschen auch gar nicht verstehen«, sagt Frank Brettenscheid (Uni Hohenheim) in einem Beitrag von 3sat zur Untersuchung der Parteiprogramme. »Immer die Aspekte, die nicht populär sind, werden verkleistert und in Schachtelsätze verpackt, so dass man sie nicht versteht. Die Aspekte, die populär sind, werden einfach formuliert, Subjekt, Prädikat, Objekt – jeder kann das nachvollziehen.«

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