Der Charme des Webfehlers

Wenn Kritiker in einem Buch Fehler bemerken, ist im Zweifel immer das Lektorat schuld. Andererseits: Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob eine Korrektur dem Text nicht eine charmante Lücke nimmt, durch die etwas Eigenes weht.

In einem Romanmanuskript zum Beispiel schmachtet der Midlifecrisis-gebeutelte Held eine Studentin an, deren Kleid ihn völlig aus der Fassung bringt, weil der »Rückenausschnitt bis zur Bandscheibe« reicht. Ein »windschlüpfriges Auto« hätte sie vielleicht beeindrucken können, Weiterlesen →

Der Weisheit letzter Schrei

Frisch aufgemischte Sprichwörter und Weisheiten, wie sie dem Leben von der flinken Zunge gehen, sammelt der Kölner KiWi-Verlag weiterhin in seinem Drehwort-Wettbewerb. Zu meinen Favoriten gehören:

Das ist ein sehr schmaler Spagat.
Wir führen eine lebensähnliche Gemeinschaft.
Du hast eine Haut wie ein 16-jähriger Pfirsich.
Die Axt im Haus erspart den Sensenmann.
Ewig währt am längsten.

Mehr davon? Hier geht ging es (die Seite ist nicht mehr online) zu den bisher besten Einsendungen.

Fundstücke aus dem Lektorat:

Großbuchstabe für das Eszett

Versal-Eszett

Ein Großbuchstabe für das ß wird in den internationalen Zeichensatz aufgenommen. Am 4. April 2008 trat eine neue Version des Unicode-Standards in Kraft, die diese Neuerung enthält (ansehen unter: U+1E9E). Der entsprechende DIN-Arbeitsausschuss hatte die Aufnahme im vergangenen Jahr beantragt.

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Mit Word in den April

Ich dachte gestern schon, ich hätte den Narrentag gut überstanden. Aber dann kam ich auf die Idee, Word (2004:Mac) ein Inhaltsverzeichnis erstellen zu lassen …

Ich arbeite an der Redaktion eines Sachbuches; also sind der Text, die Überschriften und ihre Hierarchie zu prüfen und mit Änderungsvorschlägen zu versehen. Ich hatte wie gewohnt vor 10 Tagen die Dokumentvorlage des Verlages zugewiesen, die Überarbeiten-Funktion aktiviert und losgelegt. Um zwischendurch zur Überprüfung automatisch Inhaltsverzeichnisse erstellen zu können, hatte ich für die Formatvorlagen Ebenen definiert.

Nun wollte ich also ein aktualisiertes Verzeichnis sehen, nachdem ein Gutteil des Textes bearbeitet war. In der Statuszeile konnte ich verfolgen, wie Word rödelte, ein zweites Mal begann und – April, April! – sich schließlich an immer derselben Stelle aufhängte. Keine Fehlermeldung, nicht mal eine unsinnige. Ich sage lieber nicht, wie viele Stunden die Fehlersuche gekostet hat und was ich alles ausprobiert habe …

Für das Archiv zur Vermeidung unverstandener Fehler gebe ich zu Protokoll: Ein gelöschter Seitenumbruch, der sich im Änderungsprotokoll befand, war der Übeltäter! Nachdem ich diese Änderung angenommen hatte, ging alles wieder wie gewohnt. Und ich kann heute ruhig schlafen, ohne Albträume von defekten Word-Dateien und manuell zu erstellenden Inhaltsverzeichnissen.

Zum Weiterlesen:

Ein Manuskript, tatsächlich

Eben habe ich gelernt, dass es das tatsächlich noch gibt: im Wortsinn mit der Hand geschriebene Manuskripte.

Ein Autor fragte telefonisch nach einem Angebot für eine Textredaktion. Wie üblich bat ich ihn, mir ein paar repräsentative Seiten per Mail zu schicken, damit ich ihm ein verbindliches Angebot machen könne.
»Haben Sie eine Faxnummer?«
»Nein, aber eine Datei lässt sich doch besser verschicken. Ich kann die Anmerkungen zur Redaktion ja dennoch von Hand machen, wenn Ihnen das lieber ist, und als PDF-Scan zurückschicken.«
»Die Datei ist bei der Setzerin, ich habe hier nur einen Stapel Papier …«
»???«
Nachdem ich noch eine Weile begriffsstutzig war, hat er mir dann auseinandergesetzt: »Ich bin noch ganz von der alten Schule. Ich schreibe hier mit meinem Montblanc auf Papier. Und um alles andere kümmert sich meine Setzerin.«

Ich war einfach davon ausgegangen, alle Berufsschreiber hätten den vielfach beschriebenen Medienwandel – mit allen Vor- und Nachteilen – längst vollzogen und könnten wie ich gerade noch einen Notizzettel per Hand bekritzeln.

Dossier zum Urheberrecht bei bpb

Dank Internet und Copy-and-Paste-Technik sind Plagiate heute einfacher denn je. Entsprechend sorglos ist mitunter der Umgang mit fremdem geistigen Eigentum, egal ob es sich um Filme, Musik, Texte oder Software handelt. Mancher Schüler oder Student kopiert sich seine Arbeiten zeitsparend zusammen, hier beklagt eine Texterin dreisten Textklau, gelegentlich wird jemand ertappt, der auf diesem Wege schnell zum eigenen Buch kommen wollte.

Wie gerufen erscheint da das Online-Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema Urheberrecht.

Unwort des Jahres 2007 gewählt

Die »Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres« hat soeben ihre Wahl bekannt gegeben:

Das »Unwort des Jahres« 2007 heißt »Herdprämie«. »Das Wort diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen«, sagte der Sprecher der sechsköpfigen unabhängigen Jury, Horst Dieter Schlosser, am Dienstag in Frankfurt.

Anwärter für den Titel waren wie jedes Jahr von Bürgern vorgeschlagene »[…] Wörter und Formulierungen aus der öffentlichen Sprache, die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen«. Mein Favorit aus der reichen Auswahl an Kandidaten war daher die »grundrechtsschonende Überwachungspraxis«.

Die Liste mit den Unwörtern und jeweils einigen weiteren Anwärtern aus den Jahren 1991 bis 2006 findet man hier und auf der Seite der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) Wiesbaden.